Alle Beiträge von Martin Braitsch

Tag 25: Osijek – Ilok (70 km)

Guten Abend, das letzte mal aus Kroatien!

Gestern hatte es noch um 21 Uhr 30 über 34 Grad Celsius vor dem Hotel. Heute morgen hat das Hotel dafür gesorgt, dass das Paket mit meinen Austauschsachen wieder nach Deutschland versendet wird – danke, sehr freundlich. Heute wusste ich, das wird vielleicht der heißeste Tag, eventuell eine lange Strecke und keine Hotels beziehungsweise größere Ortschaften „hinten raus“. Es wird die Hölle werden, denke ich mir. Ich will so gar nicht aus meinem klimatisierten Zimmer. Der Austritt aus dem Hotel war so, wie wenn du im August in Hurghada aus dem Flieger steigst. Es gibt ab Osijek eine längere Strecke und eine kürzere. Ich nehme die kürzere. Wasserstellen finde ich hier ja keine mehr. Aber an Kirchen oder Friedhöfen gibt es oft noch einen Wasserhahn (Grabpflege). Ich verausgabe mich eigentlich schon morgens, da muss ich die Kilometer machen. Leider gibt es auch heute wieder keine Radwege. Die sind in Kroatien mangelware. Meist gehe ich auf Landstraßen. Und dort auf der linken Seite, so sehe ich, wenn ich ausweichen muss und so hat man es ja auch gelernt. Da kannst du so sonst drauf warten, bis dich jemand aus den Socken holt. Gefährlich wird es, wenn gleichzeitig zwei Brummis kommen, von vorne und hinten. Das ist aber selten, doch es nervt eben. Ständig nach links aufs Bankett ausweichen. Ja, ich wiederhole mich vielleicht ab und zu, aber diese Dinge erlebe ich vielleicht am Intensivsten oder berühren mich am Meisten: Tonnenweise bester Kirschen, Mirabellen, Zwetschgen, Maulbeeren… verkommen auf den Bäumen oder verfaulen auf dem Boden. So viel kann ich gar nicht essen. Und dann die verlassenen, alten, heruntergekommenen Dorfer. Den Höhepunkt erlebe ich in Vukovar: Viele Gebäude sind dort mit Einschüssen zu sehen. Alles wurde so belassen, manchmal vielleicht noch die Löcher verputzt. Das gleiche auch an vielen Privathäusern. Warum denn Vukovar, frage ich mich: Beim Durchlaufen sehe ich dort viele Ministerien – vielleicht war das damals der Grund. Ein Wahrzeichen / Mahnmal ist der zerschossene Wasserturm am Ausgang von Vukovar. Hier geht es wieder auf die Landstraße von einem kleinen Ort zum anderen. DSC_0507Natürlich sind hier keine Unterkünfte, wie gedacht. So kämpfe ich mich eben durch bis Ilok. Überall Weinanbaugebiete, Maisfelder, soweit das Auge reicht. Und eben wieder die Einsamkeit in den Dörfern, nur in den Großstädten wird Geld investiert, da gibt es zum Teil richtige Prachtbauten.

Bahnhof Vukovar
Bahnhof Vukovar
Fast schon wieder schön
Fast schon wieder schön
Wasserturm in Vukovar
Wasserturm in Vukovar

Leo, meine Große, schreibt mir: „Schubi damm damm“ (Tag 19) Das Lied ist von Howard Carpendale: „Du fängst den Wind niemals ein“. Nur zur Info! Ilok, das ist der östlichste Teil von Kroatien an der Grenze zu Serbien. Hier laufe ich zum besten Hotel am Platz. Hotel Dunav Ilok. Das gönne ich mir heute und bin stolz auf mich, dass ich es ziemlich gut überstanden habe. Unterwegs habe ich noch ein Radler überholt, der war ganz schön dehydriert. Ich ja auch fast, habe mir aber keine Blöße gezeigt und bin gerannt, als wenn es nichts wäre. Gott sei Dank hat er mich dann bald wieder überholt und zu seiner Frau aufgeschlossen. Lange hätte ich das nicht mehr durchgehalten. Im Hotel habe ich die Beiden wieder getroffen. Die radeln auch ans Schwarze Meer. Im Hotel bin ich sofort mitsamt den Klamotten unter die kalte Dusche gestanden. Und zum Glück: Die Hölle war es heute nicht!

Tourdaten: 70 Km in 10h, Aufstieg und Abstieg 175m, 5.428 Kcal Gesamt: 1.574 Km in 217h, 05min, Aufstieg 4.317m, Abstieg 4.549m, 125.729 Kcal

Jogi, mein Freund und Laufkumpel: Dankschee für den Tag 25! Ich glaub, ich geh jetzt rein, die nebeln hier draußen ein Mückenmittel über die Anlage.

Gruß Martin

Tag 24: Batina – Osijek (42 km)

Bok heißt hier hallo, also Bok! Gestern habe ich noch an „meiner“ Fischerhütte ein Lagerfeuer gemacht. Und da kein Tanzabend im Dorfchen war, bin ich schon um 22 Uhr ins Bett gegangen. Aber ich konnte wiederum nicht einschlafen, obwohl es gar nicht so warm im Zimmer war. Ich müsste doch viel mehr schlafen, denke ich mir. Und ohne Mückengitter wärst du hier aufgeschmissen. Dann hätte ich wahrscheinlich gar nicht geschlafen. Um 05:25 Uhr bin ich raus aus den Federn, der Vermieter versprach mir hier einen schönen Sonnenaufgang – stimmt, das war ein schöner Beginn in den Tag 24.

Sonnenaufgang bei BATINA
Sonnenaufgang bei BATINA

Und heute sind es ja nur 42 Kilometer! Easy living, denke ich mir, aber weit gefehlt. Ich war im Kopf schon in Osijek, meinem Tagesziel angelangt. Umso schwerer ist es mir dann den ganzen Tag auch gefallen. Die 39 Grad Celsius haben mir ganz schön meine Batterien entladen, und zwar schneller als gedacht. Und wieder kein Schatten. Schatten gibt es nur vereinzelt in den kleinen Dörfern und Städtchen. Die Gegend und die Strecke sind ähnlich wie gestern. Verlassene Dörfer, alte bis verkommene Häuser und Hütten, in welchen zum Teil sogar noch Leute wohnen. Bäume wachsen aus den Häusern. Auch neu gebaute Häuser stehen im Rohbau da und sind anscheinend aufgegeben. Da wurden sogar die Fenster zugemauert. Die haben hier nicht viel oder gar kein Geld, denke ich mir. Aber warum lassen Sie die schönen Früchte von und auf den Bäumen verkommen? Die liegen alle auf dem Boden rum und verderben dort. Da wird zumindest im Kleinen nicht geerntet.

...alles sieht hier verlassen aus
…alles sieht hier verlassen aus
...zugemauert
…zugemauert
...Bäume wachsen aus den Häusern
…Bäume wachsen aus den Häusern

Und es wird immer heißer. Wie lange sind denn heute 42 Kilometer? Da sieht man wieder. Alles Kopfsache. Das bin ich heute einfach zu leicht angegangen. Oder werde ich allgemein immer schwächer? Heute habe ich das erste Mal gemeint, mich holt jetzt bald der Geier. Und morgen soll es 41 Grad heiß werden. Hilfe! Mit dem Schattenlaufen in den Ortschaften ist es auch so eine Sache. Da musst du direkt an den Zäunen am Haus vorbeilaufen. Nur da sind vereinzelt Bäume. Und zu 110 Prozent kommt so eine vierfüßige Kojote angespurtet und springt an der Umzäunung hoch. Da warte ich drauf, bis es mir wieder irgendwo reinfährt. Und die Zäune haben auch schon bessere Zeiten gehabt – irgendwann fällt mir mir so ein Hund mit dem Zaun direkt vor die Füße. In Osijek ist Halbzeit! Fast genau 42 Kilometer waren es bis zum Hotel. Die 195 Meter bin ich dann gerade auch noch gelaufen, so dass die Marathondistanz wenigstens komplett ist. Und im Hotel Silver feier ich Weihnachten mit meinem zweiten Paket, das größte Paket. Endlich neue Schuhe. Die alten Nike müssen jetzt den neuen Brooks weichen. Zum Abschied haben wir die Nike heute noch eine Blase unten am kleinen Zeh geschenkt. Das ist jetzt meine vierte Blase. Die alten Schuhe sind ziemlich am Ende, das habe ich beim Laufen schon bemerkt. Jedes kleine Steinchen drückt auf die Fußsohle durch. Die Dämpfung war jetzt nichts mehr für lange Läufe. Aber als Andenken sende ich sie wieder nach Aulendorf zurück. Und dann gab es noch neue Wäsche, Mineraltabletten, Kartenmaterial, Zahnbürste, Creme, Shampoo, Blinklicht für die späteren Tunnels… Ein paar Kleinigkeiten wie Blasenpflaster, Hirschtalg usw habe ich kaum gebraucht und sende es wieder mit der alten (aber nochmals gewaschenen Kleidung – will ja nicht, dass sich der Karton auflöst) nach Deutschland zurück.

Ha
HaLbzeit
Weihnachten in Osijek
Weihnachten in Osijek

Tourdaten:

42 Km in 6h 50min, Aufstieg 70m, Abstieg 60m, 3.100 Kcal

Gesamt: 1.504 Km in 207h 05min, Aufstieg 4.042m, Abstieg 4.274m, 120.301 Kcal.

Hallo liebe Mama, hallo lieber Papa, Danke für den Tag 24. Und ihr seht, ich bin bald durch und es passiert mir nichts. Bis die Tage

Gruß Martin

Tag 23: Baja – Batina/Kroatien (67 km)

Hallo! Mann, war das eine Nacht! Ich habe kaum geschlafen, da es mir viel zu warm war. Also Fenster auf – bedeutet Schnaken rein! Das war ein stundenlanger Kampf. Mann gegen Kleingetier. Völlig gerädert stehe ich um 05:59 Uhr wieder auf. Im Zimmer hatte ich schon 33 Grad (oder immer noch), draußen ist es da ja noch „kälter“. Mir ist es heute morgen nicht ganz so wohl. Habe ich gestern einen schlechten Tintenfisch gegessen? So komme ich einfach nicht richtig in die Gänge aber bis Mohács schaffe ich es doch noch einigermaßen „rund“. Bis dahin waren es 35 Kilometer. Über Dämme schreibe ich jetzt einmal nichts mehr! In Mohács habe ich noch meine Dinar in kroatische Kuna umgetauscht. Da es nicht mehr viel war, wollte ich gleich noch mehr aus dem Automaten, aber die gibt es erst in Kroatien. Hier bekämpfen sie die Hitze (heute wie gestern circa 38 Grad Celsius) mit Ventilatoren im Freien zum Beispiel Cafés, die gleichzeitig noch einen feinen Wassernebel den Kunden zusprühen. Fürs Fußvolk sind außerdem noch Sprühduschen aufgestellt. Die spritzen dauernd und sind einfach spitze.

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„Volksdusche“ in Mohács

Hier habe ich auch mein erstes Eis gegessen. Es ist nach 12 Uhr. Für mich bedeutet das, ab jetzt ist eine Weile das Marschieren angesagt, es ist zu heiß geworden. Um 14 Uhr bin ich im fünften Land angekommen. Kroatien (Hrvatzka). In Udvar habe ich die Grenze passiert. Man sieht dort noch die alten Grenztürme. Die freundliche Grenzerin habe ich noch nach einem Hotel oder sonstigen Unterkunft gefragt. Im Internet hat sie für mich Ausschau gehalten und 17 Kilometer entfernt etwas gefunden und die Telefonnummer gegeben. Eigentlich wollte ich heute nicht so weit gehen. Dann eben morgen weniger. Bis zur Grenze habe ich einmal wieder RedBull-Dosen gezählt: 17!

Grüß Gott Kroatien
Grüß Gott Kroatien
Ausblick aus meinem Fischerhäuschen
Ausblick aus meinem Fischerhäuschen

Was ändert sich in Kroatien? Kuna Stadt Dinar. Sofort laufe ich auf großen Straßen, aber mit wenig Verkehr. Keine Wasserstellen mehr – Schock! Aber vor allem sieht man hier ein verlassenes Dorf nach dem anderen, menschenleer, heruntergekommene Häuser, fast kein Verkehr und schon gar nicht ein Geldautomat. Da hast du keine Chance eine Bleibe zu finden. Ich denke, das wird zukünftig die größte Herausforderung werden. Da möchte ich nicht wohnen. Zur Sicherheit rufe ich beim ausgesuchten Schlafplatz an. Der Gesprächsteilnehmer kann deutsch und holt mich auch an der Ortschaftsgrenze ab. Zum Glück habe ich noch gefragt, ob es bei der Pension auch eine Gaststätte gibt. Nein, nur ein kleiner Laden und der macht bald zu, sagt der Besitzer. So habe ich dort noch etwas Wurst, Fisch, Brot von gestern und drei Radler bekommen. Dann gibts heute abend eben ein Vesper. Ja, so bin ich im Apartment „TAKAC“ gelandet, ein Fischerhäuschen, direkt an der Donau. Wunderschön! Ich soll mich doch wie Zuhause fühlen. Der Besitzer macht mir noch einen Kaffee und will mich morgen wieder abholen. Geld will er noch keines. Glücklicherweise hab ich noch ein paar Euro im Sack. Die Währung wird hier auch gerne genommen. Ich bin hier auf einer kleinen Insel – genial – die Fische springen dir hier fast auf den Teller. Aber gegen Mücken muss man sich schon einreiben. Gegenüber ist Serbien. Auf meine Anfrage hin gibt der Besitzer mir zu verstehen, dass der Krieg 1991 bis 1995 hier alle vergrault hat. Viele sind weggezogen, meist in Richtung Adria oder in Großstädte. Hier gibt es sehr wenig, aber geschossen haben sie von der anderen Seite hier nicht, sagt er. Und ich schaue noch auf meine Roadmap. Da habe ich geschrieben: Straßen nicht verlassen! Minengefahr!

Tourdaten 67 Kilometer in 10 Stunden 15 Minuten, Aufstieg 315 m, Abstieg 335m, 4228 Kcal Gesamt: 1462 Kilometer in 200 Stunden 15 Minuten, Aufstieg 3972m, Abstieg 4214m, 117.201 Kcal

Danke an den Tagessponsor, und jetzt wirds lang:

C h r i s t o p h  W E S O L O W S K Y I

Der kommt nicht aus Kroatien, nein, das ist ein Kollege aus der BRD. Bis morgen Martin

PS? Warum so spät? Ich bekomme einfach die Bilder nicht geladen. Die folgen morgen oder später. Und jetzt hab ich auch noch die Fischsoße über das Tagebuch geleert…

Tag 22: Solt – Baja (75 km)

Helló! Bin heute mal wieder etwas früher dran. Ich möchte nochmals die schöne Unterkunft Eurovelo 6 Stop in Petöfitelep bei Solt erwähnen, die kann ich nur empfehlen. Vielleicht kommt der ein oder andere auch mal dahin. Muß ja nicht zu Fuß sein. Die netten Leute haben mir noch ein Vesper und eine Dose Bier mitgegeben. Die konnte ich am Sonntagmorgen aber noch nicht trinken, geschweige denn mit mir herum schleppen. Da hat sich dann eben jemand gefreut. UND WIEDER GRÜßT DAS MURMELTIER! Vieles am Tag bleibt gleich und wird zur Routine: Morgens klingelt das Handy um 05:59 Uhr. Da bin ich schon einmal überrascht, wie gut sich der Körper über Nacht doch erholt hat. Nach 42 Liegestützen (hat sich so eingebürgert) bin ich schon fast wach. Bad, Getränke herrichten (nehme jeden Tag eine Frubiase-Tablette für die Versorgung mit Mineralien), Karte studieren, Mittelchen auftragen (zur Zeit nur Sonnencreme – Hirschtalg zur Vermeidung von Blasenbildung und gegen Reibungsverletzungen benötige ich nicht mehr), Rucksack packen, Frühstücken und dann so früh wie möglich raus. Kilometer machen, Unterkunft suchen, waschen, duschen, Tagebuch schreiben, Donaurun vervollständigen, Abendessen, nächsten Tag kurz planen und schlafen. Und das eben wieder und wieder und wieder und wieder… Aber jeder Tag bietet ja Gott sei Dank immer etwas anderes. Heute war es mit ca. 38 bis 39 Grad so wie gestern. Und wieder rauf auf den Damm, kein Schatten, das zehrt.

Ja, es ist heiß
Ja, es ist heiß

Meine Motivation für heute: Durchkommen bis Baja, da gibt es Hotels. Ich möchte nicht wieder stundenlang umherirren. Das ist zwar weit, aber dann habe ich die nächsten zwei Tage weniger Kilometer zu bewältigen. Am Dienstag wartet in Kroatien mein zweites Paket mit neuen Tretern. Das Zimmer ist dort schon gebucht. So laufe ich Kilometer für Kilometer, Bing für Bing. Die Donau habe ich fast nie gesehen. Und das geht heute gerade so auf. Auf der vorletzten Rille komme ich in Baja an. Glücklicherweise war 8km vor dem Ziel noch eine Kneipe – meine Getränke waren verdampft. Hier habe ich gleich zwei Radler bestellt – und dann nochmal zwei. Wie ein vollbeladener Tanker bin ich weiter geschwappt – schwerlich sage ich euch. Am Waldrand zu laufen ist zwar kühler, der Weg ist aber sehr bescheiden (wenn es denn einen gibt) und das Fluggetier greift ständig an. Obwohl ich in der Sonne, oben auf dem Damm, ständig von irgendwelchen großen Mücken oder Junikäfern – ich weiß nicht was das ist – attackiert werde. Die können dich mit ihrem lauten Brummen ganz schön erschrecken! Und meine Trinkflasche, die mich seit 1.400 Km nervt, weil sie eben oben nicht ganz dicht ist und immer saftet, habe ich jetzt endlich genüsslich entsorgt. Mir war gerade danach.

Weg mit dem Teil
Weg mit dem Teil

In Baja hab ich gleich ein Hotel gefunden, waschen, duschen, schreiben…

Schön ist es in Baja
Schön ist es in Baja
...sieht gut aus für heute
…sieht gut aus für heute
...na also
…na also

Tourdaten:

75 Km in 9h 30min, Aufstieg 25m, Abstieg 10m, 5.012 Kcal

Gesamt (ich habe jetzt die ersten 42 Km von Furtwangen nach Donaueschingen abgezogen -war ja Tag 0): 1.395 Km in 190 h, Aufstieg 3.657 m, Abstieg 3.879m, 112.973 Kcal

Vielen Dank ihr Leute von der SGA-Abteilung Wintersport für das Sponsoring Tag 22. Danke Wenzi und Kollegen. Ihr hattet ja auch schon den Tag 2. Búcsú Martin

Tag 21: Szigethalom – Solt (83 km)

Guten Abend, Das sind von Szigethalom nach Solt im Normalfall natürlich keine 83 Km und normal ist es auch, dass ich früher schreibe… Bereits vor 7 Uhr kam ich weg. Das hat die Vermieterin gar nicht bemerkt, denn sie lag noch tief im Schlaf auf einem kleinen Bett neben dem Pensionstresen. Es gab ja hier kein Frühstück und zu teuer war es auch. So habe ich unterwegs eine Kleinigkeit geholt und während dem Marschieren gefrühstückt. Keine Zeit zum langen Verweilen, es wird wieder heiß. Heute hatte ich über 38 Grad auf der Uhr stehen.

Ohne Worte
Ohne Worte

Gott sei Dank hab ich morgens viel geschafft. Ich wollte heute einmal wieder früh ankommen, darum bin ich mit sehr wenig Pausen, aber mehr Flüssigkeit, einfach durchgegangen. Bei der Mittagshitze bin ich viel marschiert, bin ja kein Afrikaner, der die Temperaturen so leicht wegsteckt. Und dann hole ich mir wieder ca. 2 Liter Flüssigkeit. Das kann alles sein. Was mich gerade anmacht. Eistee, Wasser, Fanta, Cola… Den ersten Liter trinke ich sofort wie ein Kamel, den Rest packe ich ein. So komme ich bei diesen Temperaturen mindestens 20 Km weit, manchmal auch mehr. Die Strecke kann man heute in Abschnitte einteilen: Zunächst freies Gelände mit viel Landwirtschaft, dann ab Rackeve am Donau Seitenarm „Rackeve -Donau“ mindestens 15 Km vorbei an den schönen Wochenendhäusern, direkt am Wasser, mit Pool, gepflegtem Rasen, eigenem Anlegeplatz und Motorboot. Es ist Wochenende und ganz Ungarn badet, grillt, liegt im Liegestuhl… Ich gehe daneben auf einer staubigen Straße und denke dauernd an Urlaub, Baden, Trinken, Boot fahren…

Riesige Felder - keine Bäume
Riesige Felder – keine Bäume
Wie gerne..
Wie gerne..

Schluss jetzt, auf und durch, sonst bin ich an Weihnachten noch nicht am Ziel! Danach wird es richtig staubig. Auf der Karte sind 3 Routen eingezeichnet. Die Rote (ruhig, abseits), die Grüne (mehr für die Radler, da asphaltiert oder bei Regen) oder Route lila für sehenswerte Orte. Ich bin meist auf der roten Linie unterwegs. Mit dem Rad hast du hier aber teilweise keine Chance, denn man muß sich teilweise durch ungemähte Wiesen durchkämpfen (ist aber selten). Na dann kann ich in der großen Stadt Solt noch gleich ein Zimmer suchen. Welches soll ich denn nehmen? Ich sehe aber in der Stadtmitte nicht so viele – eigentlich keins. Also schnell mal fragen. Viele Leute, vor allem jüngere, kennen kein Englisch oder Deutsch. Aber der Ober schickt mich gezielt zur ersten Ausfallstraße, 1 Km zurück. Geht ja noch. Da ist aber nichts, war auch nie was. Der Ober lacht jetzt noch. An der Tanke sagt man mir, das Parkhotel ist doch schön, zweite Ausfallstraße Richtung Norden, sogar mit Restaurant, 1 Km entfernt. Nach 2 Km! war ich dort und das Parkhotel gibt es – aber geschlossen.

Das Parkhotel hat geschlossen
Das Parkhotel hat geschlossen

Nebenan im Restaurant gibt mir auf meine Anfrage hin die ganze Hochzeitsgesell-schaft zu verstehen, dass nur das Motel bei der Agip-Tankstelle an der 52er Straße eine Unterkunft bietet – 4 Km away from here. Mit einem etwas dickeren Hals nehme ich auch noch das auf mich und mache noch einen schönen Abendspaziergang auf der sehr stark befahrenen 52er. Das war so, als wenn man noch ein wenig auf der B30 spazieren läuft. Nach 5! Km erreiche ich doch noch das Ziel – und? Sag mal geht’s hier eigentlich noch? Auch geschlossen! Langsam werde ich etwas unentspannter. Der Hals ist eh schon so breit wie die Schulter. Wenn ich schon hier bin, dann kann ich auch noch das „Bett“ anlaufen, das auf Googlemaps eingezeichnet ist. Hier soll das EUROVELO 6 STOP SOLT sein. Unterwegs überlege ich mir schon, was tun wenn da nichts ist? Schreibe ich jetzt aber nicht. Gleichzeitig decke ich mich mit Kirschen von den Bäumen ein. Man weiß ja nie. Und alle Hunde begrüßen mich und bellen mir zu. „Kommt doch raus,“ belle ich zurück. Bin gerade in der Stimmung! Und was für ein Glück: Im EUROVELO war jemand da und gab mir eine Wohnung mit allem darum und dran, sogar mit einer Sauna, mit Frühstück, für die Hälfte wie gestern. Die 1,5 Liter Wasser und die zwei großen Radler sind auch gleich getrunken. Das waren heute auch 12 harte Stunden auf der Piste. Ein Dank an meine Beine: prima durchgehalten!

Geschundene Beine, aber..
Geschundene Beine, aber..
...schönes Zimmer
…schönes Zimmer

Außerdem gab die Frau mir eine Speisekarte auf deutsch, wo ich etwas aus Solt bestellen konnte. Zum ersten Mal habe ich nicht alles gegessen, da einfach zu viel. So ein Glück muß man haben!

Tourdaten: 83 Km in 12 h, Aufstieg 70m, Abstieg 45m, 6.142 Kcal Gesamt: 1.362 Km in 184 h 09min, Aufstieg 3.712m, Abstieg 4.319m, 112.861 Kcal

Danke an Armin HOH für den Tag 21. Da hast du dir ja einen tollen Tag ausgesucht.

Gruß Martin