Tag 40: Silistra/Bulg. – Ion Corvin/Rum (57 km)

Hallo!

Ich habe gestern doch noch Wasser im Hotelzimmer bekommen. Die ganze Straße,  vor allem ich, haben sich gefreut. Ich hatte mich schon auf den Einkauf von mehreren 5-Liter-Kanistern Wasser eingestellt. Man will ja nicht muffig zum Essen und Schlafen gehen (habe mal wieder einen Grillteller verdrückt).

Ein Frühstück habe ich gestern aus Zeitgründen abgelehnt. Zu spät. Das ist aber kein Problem,  denn in jeder Ecke gibt es „Kleinbrot“. Den Kaffee gibt es an den vielen Automaten. So werde ich mein Münzgeld los. Die letzten bulgarischen Leva tausche ich vor der Grenze in den „Rumänischen Löwen“ LEU, Plural LEI (oder anders rum) um.

Dann verlasse ich Bulgarien und passiere eine kleine Grenze nach Rumänien – keine Probleme!

Das Laufen am Morgen unter 30 Grad macht echt Laune, so flott war ich schon lange nicht mehr unterwegs. Unter 5:30/Km. Obwohl es bergig ist, fliegen die Kilometersteine an mir vorbei. Bis nach Ostrov, da verlasse ich den Radweg in Richtung eines Seitenarmes der Donau und hier ist es wunderschön! Ich weiß nicht, warum der Radweg anders verläuft, die Strecke ist auch biketauglich. Grüne Wiesen, Wasser, kein Verkehr, Kühe – Ruhe. Liebe Huber-Kartographie-GmbH: Ändert hier die Route!

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Ein Junge will mit mir laufen und gibt mir die Hand. Nach ein paar Hundert Metern dreht er ab und bedankt sich – süß.DSC_1224

Hier siehts schon langsam aus wie im Donaudelta. Ohne Karte wüsste ich nicht, was ich hier die Donau, was ein Nebenfluss und was ein See. Viele Feuchtgebiete, große Schilflandschaften und überall Ruhe.

So geht es bis zum berühmten Kloster DERVENT bei Galita.

Vor 2000 Jahren predigte der Heilige Andreas zusammen mit seinen Jüngern über das Christentum hier in der Gegend.

Am Ende eines Nußbaumgartens befindet sich dann die Heilende Quelle.

Die Quelle erschien als Wunder des Heiligen Andreas, als er und seine Begleiter während sie an der Stelle des jetzigen Klosters vorbeigingen und Wasser brauchten, beteten und seinen Stock in den Boden stießen. Das Wasser der Quelle ist voller Gnade und diejenigen die davon trinken und ihre Körper in Glauben damit besprenkeln werden geheilt.

Was habe ich gesprenkelt.

Hier hat es mir gefallen, alles schön gepflegt. Hier darf man auch übernachten, auf Spendenbasis.

Kloster Dervent
Kloster Dervent 
Heilige Quelle
Heilige Quelle 
Sprenkeln
Sprenkeln 
Immer noch Kloster DERVENT
Immer noch Kloster DERVENT 

Das erste Drittel ist geschafft und jetzt geht es weg von der Donau. Unweit der bulgarischen Grenze auf der Straße „3“ in Richtung Ion Corvin.

Brunnen unterwegs. Ich hab dort auch getrunkenne, nach dem Pferd
Brunnen unterwegs. Ich hab dort auch getrunken, nach dem Pferd.

Hier soll es eine Unterkunft geben. Vor der Ortschaft fährt ein Auto vor mich hin, hält an und ein Mann steigt aus. Er kontrolliert mich. Zivilpolizei im roten Privatauto Opel Astra. Der kann aber kaum englisch und kein deutsch. Hier sind die Leute zum Teil überrascht, dass ich kein Papier mit mir führe (Visum). Ich hab eben nur den Personalausweis,  der mich als Deutschen berechtigt, 30 Tage ohne Visum hier zu verweilen. Das müssten sie ja eigentlich wissen. Der meint wohl, ich bin aus Bulgarien geflüchtet. Dann zeige ich ihm meine Jokerkarte, den Dienstausweis.

Die Sache ist gegessen!

Ich bekomme zwei Pfirsiche und einen heißen Maiskolben zum Essen. Beides aus dem Astra, wo auch die Frau des Zivilbeamten sitzt. Zur Belohnung fährt er mich auch noch zur Pension.

Und da sitze ich im Garten, nur hier hat es WLAN. Telefonieren kann ich nicht, kein Netz.

Morgen werde ich mit Sicherheit zum „Hausieren“ gehen müssen/dürfen. Die erste Übernachtungsmöglichkeit ist zu nah und dann kommt lange nichts mehr. Ich hoffe, ich kann dort schreiben.

Wenn ihr nichts von mir hört, dann hab ich keine Verbindung, vielleicht auch kein Strom…

Lieber Feuerwehrkommandant Alfred Nüßle mit Frau Carmen: Danke für das Sponsoring des Tages 40.

Tourdaten:

57 Km in 8h 45min, Aufstieg 530m, Abstieg 455m, 4.311 Kcal 

Gesamt: 2.552 Km in 358h 30min, Aufstieg 8.322m, Abstieg 8.449m, 198.032 Kcal 

Ich wünsche einen schönen Abend im nicht mehr so heißen Deutschland

Martin

Tag 39: Tutrakan – Silistra (66 km)

Hallo Leute!

Gestern habe ich ja wirklich noch eine schöne Pension gefunden, direkt an der Donau. Aus meinem Fenster konnte ich noch den Sonnenuntergang beobachten. Und morgens sehe ich dann den Sonnenaufgang auf der anderen Seite der Donau.
Sonnenuntergang
Sonnenuntergang
Sonnenaufgang
Sonnenaufgang
Da hatte ich einen schönen Balkon, was für mich meist bedeutet: Großwaschtag! Dann wird alles gewaschen, inclusive Rucksack und Bauchgürtel - mit der Seife von der Pension, das gibt es immer. Gott sei Dank habe ich nicht noch Rei in der Tube mitgeschleppt. 
Eine ekelhafte Blase auf der Fußsohle hab ich gestern auch noch bekommen.

Das ist am Anfang beim Loslaufen ein blödes Gefühl, geht aber irgendwann einmal weg, beziehungsweise das wird verdrängt. Das dürfte jetzt die fünfte Blase sein. Ich laufe ja auch mit normalen Nomasocken, da ist es kein Wunder. Die anderen sind weiß oder zu warm (Kompressionsstrümpfe).

Ich bin heute morgen sofort auf einen kleinen Weg, direkt an der Donau. Der ist in meiner Offlinekarte auf dem Handy abgebildet. Die Offlinekarten der Länder kann ich nur empfehlen. Hier ist man auf kein Netz angewiesen und die Karte ist sehr detailreich. Hier sind sogar die Wasserstellen eingezeichnet (mit Becher  = trinkbar).
Screenshot Handy Offlinekarte
Screenshot Handy Offlinekarte
Aber die kleinen Wege gehen dann doch das ein oder andere Mal einfach aus beziehungsweise wurden nicht mehr benutzt. Dann gehe ich über irgendwelche Äcker, Felder, Wiesen, oder Waldgebiete, bis der Weg wieder fortgesetzt wird.
Aber auch auf dem offiziellen Radweg, der hier in Bulgarien im Gegensatz zu Rumänien durchgehend und fast vollständig ausgeschildert wurde, ist es heute sehr abwechslungsreich. Ich weiß gar nicht, wie hier die Radfahrer durchkommen sollen. Die Äste von den Bäumen und Sträuchern hängen tief, vieles ist zugewachsen. Ich laufe ständig in gebückter Haltung und habe sogar einen Stock dabei um das Gras, die Äste, Dornen oder die Brennesseln wegzuschlagen. Und dauernd diese Spinnweben. Überall sind sie über den schmalen Weg gespinnt. Da ist schon länger keiner mehr durchgekommen, denke ich immer wieder und hoffe inständig,  dass nicht irgendwann wieder komplett schluss ist. 

Die kleinen, stacheligen Kügelchen muss ich auch desöfteren entfernen. Die gehen regelmässig in den Schuh und das nervt.
...diese Kügelchen
…diese Kügelchen
...jetzt wird es Zeit, das ich ankomme
…jetzt wird es Zeit, das ich ankomme
Die Schuhe, ja, die verabschieden sich so langsam. Der Stoff ist aufgerissen und die Dämpfung gleicht einem Ballettschuh. Das spüre ich jeden Stein. Gerade heute, auf nicht geteerten Straßen und Kopfsteinpflaster. Manchmal denke ich, gehst du eigentlich barfuß? Und wenn so ein Stein direkt auf deine Blase trifft, dann zieht das rauf bis ins Hirn.
Auch das andere Material war schon besser in schuss. Meine Billigbadehose ist von den Dornen aufgerissen und die Gürteltasche hat auch schon besser gehalten. Aber die Sachen bringe ich noch ins Ziel, das weiß ich sicher.

Dafür hatte ich heute viel Schatten. Nur die letzten 20 Kilometer nach Silistra waren auf einer viel befahrenen Straße, zum Teil vierspurig, voll in der Sonne.
Ich schaue schon gar nicht mehr auf meine Gradanzeige auf der Uhr. Ich will's gar nicht wissen. Aber es waren heute sicherlich wieder 36 bis 37 Grad. Die Hitze hab ich so richtig auf dem freien Feld oder eben auf der Teerstraße abbekommen. 

Und da finde ich doch tatsächlich eine Sonnenblume, die gerade andersherum schaut wie die anderen zig Millionen. Ja, da hast du Zeit...
Oppositionssonnenblume
Oppositionssonnenblume
Habe ich gerade ein kaltes Wasser gekauft, dann ist es nach einer halben Stunde schon warm wie Tee - hängt ja auch dauernd in der Sonne. 
Jetzt bin ich am nördlichsten Teil von Bulgarien angekommen, die Donau zieht ihre Bahn weiter nach Norden Richtung Moldawien und der Ukraine. So werde ich morgen Bulgarien wieder verlassen.
Ein Hotel zu finden in Silistra ist leicht. Da gibt es genügend im Zentrum. Ich habe eines gefunden und (ohne Frühstück) auch gleich bezahlt. Frühstück gibt es hier in Bulgarien meist erst ab 8 Uhr. Da habe ich aber schon die Grenze passiert.
Schön ist es ja, wenn man nach dem Beziehen des Zimmers sofort duschen kann. Aber da kommt nichts raus. Gott sei dank habe ich noch nicht alles ausgepackt und kann das Zimmer wechseln, denke ich. Ab zur Rezeptionsdame und nach einem neuen Zimmer gefragt. Nein, das geht nicht, das ist in jedem Zimmer so, das ist in dem ganzen Hotel so und das ist in der ganzen Straße so. Bauarbeiten in Silistra. Bis auf weiteres ist hier das Wasser abgestellt. Das hätte mir die Nudel auch vorher sagen können...

Fortsetzung folgt. 

Ich danke den Tagessponsoren Myriam und Günter BLASER für die Unterstützung des heutigen Tages 39!

Tourdaten:
66 Km in 9h 40min, Aufstieg 090m, Abstieg 800m, 4.647 Kcal 
Gesamt:
2.495 Km in 349h 45min, Aufstieg 7.792m, Abstieg 7.894m, 193.721 Kcal 

See You 
Martin 

Tag 38: Giurgiu/Rum – Tutrakan/Bulg (65 km)

Guten Abend!

Weiter geht's, was gibt's denn neues heute?

Zunächst muß ich mich erst einmal aufraffen, das geht today ganz gut.
Die Sachen sind gepackt. Nochmals ein Blick auf die Karte und raus in den nächsten Tag. 
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Und da kommt auch gleich der Grenzbereich von Rumänien nach Bulgarien. Wieder eine Brücke über die Donau. 
Eine enorme Autoschlange steht vor der Brücke - locker galoppiere ich da mal vorbei. Der erste Grenzposten! Hier sehe ich niemanden, aber alle bleiben stehen, außer mir, ich bin ja ein Fußgänger und Touri noch dazu.DSC_1113 Das geht bis zum nächsten Posten. Der Grenzer ist etwas irritiert und verschwindet mit meinem Ausweis. DSC_1115Nach ein paar Minuten darf ich aber schon weiter. Zunächst bin ich alleine auf der Brücke, aber dann kommt die Baustelle - eine Spur gesperrt, deshalb auch das Warten.
Auf der freien Spur kommen mir jetzt Autos entgegen. 
Fahre hier nie mit einer tiefergelegten Schüssel, da kommst du nicht durch, so wellig sind die Fahrrinnen - 10 cm tief. 
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Ich höre ständig die Autos an der Fahrbahn kratzen. Ich habe einen schmalen Streifen mit Geländer, da möchte ich mich aber nicht ranlehnen.
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Erinnert mich an Tschernobyl
Erinnert mich an Tschernobyl
Nach der dritten Kontrolle bin ich in Bulgarien und auch froh, als ich die ersten 7 Km "Autobahn" hinter mir habe. Vierspurig ausgebaut und viel Verkehr. Dann darf ich Richtung Donau abbiegen und ich bin ganz alleine, nicht einmal ein Hund ist da. Felder, Schilf und Obstbäume. Die Donau sehe ich leider nicht, die ist noch etwa 500 m entfernt. 

Es läuft heute super, fast wie am ersten Tag. Es ist auch nicht so heiß, windig und zum Teil gibt's noch Schatten. So kann ich viele Km im "Laufkoma" runterspulen. Aber nur bis zum Mittag, dann wird es wieder zu heiß für mich.

Es gibt auch Wasserstellen mit trinkbarem Wasser. Und ich habe immer Durst - kann aber nichts mehr trinken - geht einfach nichts mehr rein - blödes Gefühl. 
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Dann kommen wieder die Tiefs. 
Das Engelchen sagt: "Hör auf, ruh dich aus!"
Das Teufelchen kurz danach: "Lauf weiter, los, weiter, weiter!" 
Eigentlich sollte man ja dem Engelchen gehorchen. 
Aber eines habe ich u.a. bei diesem Lauf gelernt, das könnt ihr mir glauben, nach dem Tief kommt wieder ein Hoch. Alleine diese Erfahrung, Tag für Tag, muß doch auch zukünftig immer im Hirn gespeichert sein, egal in welcher Situation. 
Ich glaub ich schwalle...

Die Leute arbeiten auf/an der Straße. 

Es gibt jetzt Pfirsiche und Trauben zum Mittag.
Feuerwehr
Feuerwehr 
Mittagessen
Mittagessen
Gestern Abend habe ich noch ein paar "Livebilder" aus Deutschland bekommen. Da war es noch taghell. Bei mir allerdings fast schon dunkel. Da wurde mir bewusst, wie weit ich doch schon im Osten bin. Da hab ich doch ein paar Längengrade überlaufen. 
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Und auch heute: Angekommen in einer schönen Pension. Das Handy und die Laufuhr einfach zum Laden eingesteckt. Das geht/ging in allen 8/10 Ländern so. Überall 220 Volt und 50Hz. 

Das ist doch wieder Europa. Ein Lauf über fast 3.000 Km und eine Steckdose (grins)!
Forever Nummer One
Forever Nummer One

Ich danke meinem "Rockerclub" BLACK RIDERS Aulendorf für die Unterstützung Tag 38. Danke Dietmar, Stefan und Franky. 

Tourdaten:
65 Km in 9h 25min, Aufstieg 260m, Abstieg 285m, 4.312 Kcal
Gesamt: 2.429 Km in 340h 05 min, Aufstieg 7.002m, Abstieg 7.094m, 189.074 Kcal 

Na dann, bis morgen Martin
Martin

Tag 37: Zimnicea – Giurgiu (64 km)

Schon wieder ich!
Ich hoffe, es wird nicht langsam langweilig!

05.59 Uhr, der Wecker vom Handy klingelt jetzt das 33 mal hintereinander (die ersten Tage habe ich daheim übernachtet -  da war es ein anderer Wecker). Immer schwerer fällt mir das Aufstehen. Ich möchte  so gerne einfach ein bisschen länger schlafen. Das halte ich mir jetzt für die Rückfahrt im Bus auf, denke ich dann immer. 
Als Frühstück bekomme ich hier in der Regel meist einen Kaffee oder Tee, ein Omelett, etwas Käse, Tomate und ein Päckchen Marmelade, oft ohne Butter. Ein Frühstücksbuffet gibt es nur in den gehobenen Hotels. Neben meinem war so eins  - 4 Sterne. 75 Euro wollte ich da jetzt nicht bezahlen. Ich benötige ja nur ein Bett, Dusche oder Badewanne und WiFi. Und das in einem einigermaßen normalen Zustand. Das habe ich heute. Den Beautyschnickschnack kann ich sowieso nicht nutzen.
Das Geld ist zum Teil durchsichtig
Das Geld ist zum Teil durchsichtig
Mir hängen die Kilometer von gestern noch in den Knochen und an jedenm Tag kommt es mir noch heißer vor, obwohl meine Uhr "nur" 36 Grad Celsius anzeigt. Das ist hier derzeit die Regel. Um 07 Uhr hat es fast schon 30 Grad.

Ich weiß nicht, warum mich unterwegs so viele fragen, ob ich aus España komme? Sehe ich so südländisch aus? Die sollten mich mal sehen, wenn ich das Laufshirt ausgezogen habe, dann sehe ich aus wie ein Finne. 
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Im Allgemeinen habe ich mir Rumänien trotzdem doch etwas anders vorgestellt (obwohl, ich bin vielleicht schon einiges gewohnt hier). Ich habe mir vorgestellt, dass ich meine Sachen ja nicht aus den Augen verlieren darf, das Geld vielleicht irgendwo verstecken, das Handy nicht zeigen... Ach was,  zu keiner Sekunde denke ich, dass mir hier etwas zustoßen könnte. Alles freundliche Leute (bis auf die drei Jugendlichen, von denen mir einer den Stinkefinger gezeigt hat - wollte cool sein. Jetzt weiß ich, dass die Geste international ist). 
Ich bin darauf gekommen, weil mich ein Ladenbesitzer gefragt hat, ob ich denn alleine keine Angst vor den Chipsys (Zigeuner) habe. Nein, das habe ich nicht, die sind doch alle in Deutschland beziehungsweise Europa unterwegs. Stimmt ja auch! Ich gehe von einem kleinen Ort zum anderen. Da gibt es nichts, was die jungen Leute dort hält. Die Dörfer sterben aus, die Menschen gehen in die großen Städte oder ins Ausland. Den Eindruck habe ich hier so gewonnen. Es wird nichts investiert oder repariert, zumindest im öffentlichen Bereich. Und wenn öffentlich gebaut wird, dann steht meist ein Europaschild davor. Das bezahlen also wir. 
Die Einwohner, die geblieben sind, richten sich aber zum Teil schön ein. Da ist es sauber.
Verlassene Gebäude
Verlassene Gebäude 
Meist steht ein Dacia vor dem Haus
Meist steht ein Dacia vor dem Haus 
...oder so
…oder so
Ich glaube fast, ich habe hier ein schlechtes Wasser zur Kühlung erwischt. Wahrscheinlich irgendein Güllewasser. Ich rieche wie eine wandelnde Kläranlage. Gekauftes Trinkwasser mildert das Ganze etwas.

Nacheinander kommt ein kleiner Ort. Und mag der noch so klein sein, es gibt immer ein Minimarket oder Wirtschaften, wo man sich versorgen kann. Das ist kein Problem.

Ich kann gar nicht mehr normal trinken. Ein Schluck ist immer 0,5 Liter!

Obwohl ich  in Rumänien keine Beschilderung  "Donauradweg" oder "Eurovelo 6" gesehen habe, die Strecke kann man nicht verfehlen. Es geht ja immer nur geradeaus. Oder nur auf der Hauptstraße, der geteerten Straße bleiben. In den kleinen Ortschaften ist die Durchgangsstraße geteert, die Seitenstraßen nicht. Die beste Beschilderung in Rumänien hat hier Lidl und Penny.
So musste ich in Giurgiu nach meinem Hotel fragen. Warum nicht gerade die Polizei hier? Das war gut so, denn die haben mich dann gleich ans Hotel gefahren. Meinen Ausweis habe ich aber nicht gezeigt. So stelle ich mir das jetzt immer vor.
Fahrt ins Hotel
Fahrt ins Hotel
Und wenn ich kein rumänisch verstehe. An der Rezeption in meinem 3-Sterne-Hotel hat die Dame zum Angestellten gesagt: Der stinkt wie ein Iltis!

Danke Herr Blattert, mein "alter" Chef aus Tübingen und Tagessponsor Nr. 37. In Tübingen  fing eigentlich die ganze Lauferei an...

Tourdaten:
64 km in 9h, Aufstieg 105m, Abstieg 100m, 4.733 Kcal
Gesamt: 2.364 Km in 330h 40min, Aufstieg 6.742m, Abstieg 6.809m, 184.762 Kcal 

PS: An die mit Email angeschrieben Sponsoren: Bitte antwortet zeitnah, dankeschön

Bis morgen aus Bulgarien 
Martin

Tag 36: Corabia – Zimnicea (81 km)

Seid gegrüßt! Ich habe euch ja gestern berichtet, dass hier im Hotel noch eine Hochzeitsfeier stattfindet. Die fand ja eigentlich im Saal statt. Ich saß vor diesem Saal und habe meine tägliche „mixed Grillplatte“ gegessen. Und plötzlich tanzen da alle vor meinem Tisch rum. Im Saal war wohl nicht mehr so viel Platz und ich war ein wenig underdressed. Mittendrin, statt nur dabei!

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Hier sitzten sie in der ersten Reihe

Da habe ich schon angst gehabt, dass ich zum Tanz aufgefordert werde – in meinen Flipflops. Die drehen aber auch die Musikanlage immer voll auf. Schluss war gegen 05 Uhr. Der letzte Gast ging, als ich zum Frühstück gegangen bin – der Ober von gestern Mittag und Abend arbeitet immer noch. Das war eine grausige Nacht, vor allem weil die Gäste neben mir auch die Zimmer hatten. Wahrscheinlich sogar das Hochzeitspaar direkt neben meinem Zimmer… So, dann mal ab zum nächsten Höllenritt! Mir ist klar, dass das heute kein Sonntagsspaziergang wird. Apropos Sonntag, es kommt mir vor, als wenn in Rumänien heute autofreier Sonntag ist. Sehr, sehr wenige Fahrzeuge sind unterwegs. Mir soll’s recht sein. Vor 11 Uhr bin ich in Turnu Magurele. 32 Kilometer stehen auf meiner Uhr. Hier gibt es ein oder mehrere Hotels. Das nächste ist in Zimnicea. Das sind noch schlappe 50 Kilometer bis dorthin. C’est la vie. Weiter gehts. DSC_1012 Aber ich gehe schwer davon aus, dass es hier bei einer „Notsituation“ kein Problem wäre, eine Übernachtungs-möglichkeit zu finden. Da müsste man einfach nachfragen. Aber ich benötige meist doch ein Hotel, da bin ich sicher, dass ich WLAN habe. Ja, alles dreht sich über das Wlan, Internet, WiFi, 2G, 3G, LTE. Aber sonst könnte ich keine Berichte schreiben und Bilder einstellen. Es hat wieder 35 bis 36 Grad. In Deutschland ist es auch warm beziehungsweise heiß, und wenn ich die Bauern auf ihren Feldern sehe, wie sie arbeiten, in Hemd und langen Hosen, dann kann ich ja meine Leibesübungen auch fortsetzen. In Turnu Magurele mache ich den ersten Halt. Ich trinke in einer Wirtschaft drei Radler 0,5 Liter (die gibt’s auch alkoholfrei, nicht dass ihr meint, ich schütte mich jeden Tag zu) und nehme ein Liter Wasser mit. Honig rein und weiter gehts. Die Donau hat sich wieder verabschiedet. Die sehe ich erst morgen wieder. Ich streife aber immer wieder hübsche Nebenflüsse und Seen. Seaca ist erreicht – 46 Kilometer – 13 Uhr. Jetzt könnte ich die circa sechs Kilometer runter zur Donau gehen und dann 35 Kilometer ohne eine Ortschaft nach Zimnicea laufen. Nein, das mache ich im Leben nicht, es sei denn, ein Rasenmäher fährt vor mir und ein Getränkewagen hinter mir. Mir schmerzt langsam der Rücken, die Füße werden schwerer, aber Vanätori bei Kilometer 56 ist erreicht, gegen 14.15 Uhr. Immer wieder kann ich mich an tiefen Brunnen auffrischen. Dort ist das Wasser am Kältesten.

Danke Brunnen
Danke Brunnen

Obwohl Becher am Balken hängen, trinke ich dort nichts. Immer nur in den Wirtschaften. Dort setze ich mich auch nicht lange hin. Ich mache keine großen Pausen, da schalte ich nur in den Leerlauf und komme nicht mehr richtig in die Gänge. Nach Vanätori gehe ich von der Strecke ab, über einen Berg zum See Suhaia. Der ist sicher fünf Kilometer lang und ein Ausläufer der Donau. Da bin ich fast ganz alleine, circa 4 Kilometer auf einem Feldweg mit schöner Aussicht zum See. Und die Strecke ist etwas kürzer. Aber manche Typen sind mir da ja schon ab und zu nicht so geheuer. Bevor die sich hier zusammenrotten, mach ich lieber einen langen Schuh.

Kurze Pause
Kurze Pause
Die werden auch immer größer
Die werden auch immer größer
Wenig berührte Landschaft
Wenig berührte Landschaft

DSC_1020Für die letzten 15 Kilometer benötige ich über 3 Stunden – mehr möchte ich eigentlich gar nicht schreiben. Ich musste im Standgas ins Hotel in Zimnicea einrollen. Das waren harte 15.000 Schritte. Aber ich bekomme eine Badewanne und denke, so lange wird’s am Stück an einem Tag nicht mehr gehen. Nur noch gute 600 Kilometer!!! Ja, das war heut ein richtiger Männersport! Ich danke der Sportgemeinschaft Aulendorf – Männersport für die Unterstützung des heutigen Tages 36.

Tourdaten:
81 Km in 11h 10min, Aufstieg 250m, Abstieg 220m, 5.812 Kcal

Gesamt: 2.300 km in 321h 40min, Aufstieg 6.637m, Abstieg 6.709m, 180.029 Kcal

Tschüüss,
bis Morgen

Martin

Martin läuft die Donau entlang