Tag 35: Bechet – Corabia (48 km)

Servus,

schon wieder ist ein Tag vorbei, das geht Ruck Zuck. Die haben hier ganz fiese Fliegen, vielleicht kennt die ja der ein oder andere, ich habe sie schon einmal in der Türkei erlebt. Die sehen genau so aus wie unsere Stubenfliegen aber die zwicken dich (nicht stechen). Natürlich kommen abends noch die blöden Schnaken dazu – weiß gar nicht warum die Gott erschaffen hat. Auf jeden Fall gibt’s heute kein Frühstück hier, kein Problem, los geht’s ohne vollen Bauch. Den ersten Halbmarathon habe schon um 09.30 Uhr absolviert. Aber dann gibt es Frühstück: Ein Kaffee aus dem Automaten und zwei eingepackte Croissants dazu – fertig. Hier gibt es meist 2-Liter Wasserflaschen. Ein Liter vernichte ich fast auf Ex, einen halben Liter leere ich in die Trinkflasche und wenn ich nicht alles getrunken habe, geht der Rest als „Duschwasser“ mit.

Hundi
Hundi
Ein Esel
Ein Esel
Zwei Esel
Zwei Esel

Gestern habe ich noch von einem jungen Imker in Gighera Honig geschenkt bekommen – einfach so! Das war da, wo es keinen Strom im Zimmer gibt. Jetzt habe ich ein Zusatzgewicht, das darf ich ja nicht einfach wegschmeißen aber ich mische immer dem Wasser etwas bei – schmeckt super, probiers doch mal aus. Blöd nur, wenn man das „Duschwasser“ mit dem Trinkwasser verwechselt… Die Umgebung gleicht der von gestern. Mir gefällt es eigentlich hier. Temperatur schon morgens um 10: 34 Grad Celsius. Viel wärmer wird es aber nicht.

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Polizeidirektion Orlea

Ich beeile mich, habe nur 48 Km zu laufen. Am Ziel wartet in Corabia ein Pool. Es ist eigentlich schon lustig, lange habe ich mir überlegt, mit welchen Klamotten du hier die Gegend unsicher machst. So habe ich eine Top-Laufkleidung angeschafft. Schlussendlich renne ich mit meiner als Badehose bestimmten Hose, die keine 5 Euro wert ist und einem Oberteil von Aldi (6 Euro) rum. Dazu normale Socken. Die Laufschuhe kannst du natürlich nicht ersetzen, die müssen passen. Durch das Beeilen den ganzen Tag hindurch bin ich schon um 14 uhr am Hotel Sucidava in Corabia angekommen – direkt an der Donau, neben einem Industriegebäude. Und es gibt zunächst kein Zimmer. Gott sei Dank habe ich vorgebucht. Mein Emailkontaktmann ist aber nicht da und keiner kann deutsch oder englisch sprechen. Nach einer halben Stunde gelingt es mir, durch Zeigen der Emails auf dem Handy, den Kontaktmann Radu ans Telefon zu bekommen. Der kann englisch sprechen. Telefonieren mit Radu, Telefon wieder übergeben und alles ist gut. Zimmer bekommen, Päckchen bekommen, rauf aufs Zimmer, duschen, Wäsche waschen und ab in den Pool bzw. Tagebuch schreiben.

Hotel neben mächtiger Kulisse
Hotel neben mächtiger Kulisse

Heute ist hier wieder Hochzeit, deshalb der Trubel. Lange halte ich es draußen gar nicht aus, ich war ja den ganzen Tag im Freien. Im klimatisierten Zimmer plane ich die Strecke für morgen.

ACH GOTT!! Die erste Schlafmöglichkeit kommt in Turnu Magurele nach 32 Km, die nächste Möglichkeit in Zimnicea nach 80! 32 Km sind mir zu wenig, ich will jetzt auch irgendwann wieder heim. Vielleicht gibt es dazwischen noch irgendwo eine Möglichkeit zum Übernachten (glaube ich schon gar nicht mehr). Bevor sich ein Klugi meldet und meint, warum ich das nicht vorher alles gemanagt habe? Das geht nicht – einmal mehr oder weniger gelaufen (Verletzung, Regen…) und alle Planung ist für die Katz. Ich gehe davon aus, morgen wird es später. Jetzt geht das Gedudel der Hochzeit los. Hoffentlich bekomme ich dort auch was zu essen. Liebe „Familie Herbst“. Das ist Uwe Samkowitz, Jürgen Brick und Walter Gnann. Dankschee für den Tag 35. Das Angebot in der Fasnet nehme ich an.

Tourdaten: 48 km in 7h 15min, Aufstieg 70m, Abstieg 65m, 3.980 Kcal

Gesamt: 2.219 Km in 310h 30min, Aufstieg 6.387, Abstieg 6.489, 174.217 Kcal

Bis morgen (Nacht?) Martin

Tag 34: Calafat – Bechet (79 km)

Hallo nach Deutschland! Gestern habe ich noch mit dem Hotelbesitzer über die Übernachtungssituation hier in der Gegend gesprochen. Und als er erfahren hat, dass ich schon in Poiana Mare war, hat er eine Mitarbeiterin dazu verdonnert, mich morgen früh dort abzuliefern. Heute bekomme ich um 07 Uhr mein Frühstück in der Tüte und die Frau mit dem Dacia fährt mich doch glatt und sauber zum Restaurant von gestern. Geld nimmt auch sie keines an – nochmals danke – jetzt bin ich wieder „auf Null“. Erst am dritten Geldautomaten (Raiffeisenbank) bekomme ich meine LEU. Bei den anderen ist kein Geld mehr drin. Ich fühle mich wie in Griechenland. Die Uhr habe ich ja gestern um eine Stunde vorgestellt, d.h. ich bin auch eine Stunde früher unterwegs, wo es noch ein bisschen kühler ist. Langsam bemerke ich’s schon: Meine Batterien lassen nach, der Akku lädt nicht mehr ganz auf. Das äußert sich dann in den längeren Gehpausen. Die Hitze ist bei mir dabei der entscheidende Faktor. Ich habe Zeiten, da geht wenig bis gar nichts und dann kommt plötzlich wieder ein Hoch, ich weiß nicht woher, und ich renne in der größten Hitze. Heute wusste ich, das nächste Bett auf der Karte kommt nach ca. 67 Km in Gighera. Das musst du packen. Meist gehe ich durch die Orte und jogge zwischen ihnen. Heute laufe ich von Ort zu Ort, abseits der Donau, die ich den ganzen Tag nicht sehe. In Rumänien sind die kleinen Orte meist alle gleich. Die Kirche ist im Ortskern, wo sich auch ein kleiner Einkaufsladen und eine Wirtschaft befindet. Hier sitzt man auch gerne mal nur auf Bierkisten. Die Häuser rechts und links der Durchgangsstrasse haben alle einen Garten, meist mit Tieren. Davor der Zaun und wiederum davor ein Brunnen. Ich gehe davon aus, dass hier nicht alle an die Wasserversorgung angeschlossen sind. Und was alle haben: Ein Bänkchen am Zaun zur Straße hin. Und da sitzen sie so rum und grüßen beim Vorbeilaufen.

Brunnen vor dem Haus
Brunnen vor dem Haus
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Oma auf dem Weg zum Bänkchen

Es ist zwar vieles alt, aber die Häuser in der Vergangenheit sicher wunderschön. Mit Erker, Türmchen, Säulen, Verzierungen… Mir kommt auch alles einigermaßen gepflegt und aufgeräumt vor. Und dann ist auf jedem dritten Strom- oder Lichtmast ein besetztes Storchennest zu sehen – da kommt ein Ort locker einmal auf 30 bis 40 Störche. Das muß ich mal zählen.

Störchennester auf den Masten
Störchennester auf den Masten

Zwischen den Ortschaften Mais- uns Sonnenblumenfelder, so weit das Auge reicht. Oder es wird gerade brandgerodet.

Sonnenblumenfelder
Sonnenblumenfelder

Jetzt bin ich in Gighera. Hier gibt man mir zu verstehen, dass die Schlafmöglichkeit ohne Strom ist – nichts für mich, auch nicht der Campingplatz in der Nähe. In Bechet gibt es ein Hotel – weitere schwere Kilometer! Meine Motivation: Morgen habe ich beim dritten Päckchen das Hotel in Corabia schon gebucht. Jeder Kilometer heute mehr ist morgen einer weniger. Und dann darf ich ja noch mit einem Fuhrwerk mitfahren. Das wollte ich auch unbedingt erleben. Die „Frau am Steuer“ will auch nichts annehmen. Aber die Kinder hat’s gefreut – kauft was süßes zum Essen!

1,5 PS
1,5 PS

Liebe DOODE, auch genannt Yvonne Jäck, dir gilt heute meinen herzlichsten Dank für das Sponsoring vom Tag 34.

Tourdaten: 79 Km in 11h 30min, Aufstieg und Abstieg 125m, 5.812 Kcal

Gesamt: 2.171 Km in 303h 20min, Aufstieg 6.317m, Abstieg 6.424m, 170.237 Kcal

Ich wünsche euch noch einen schönen Abend, bis morgen, Martin

Tag 33: Negotin – Bregovo (Bulg.) – Calafat (Rum.) – Poiana Mare – Calafat (68 km)

Guten Abend aus Rumänien! Gestern war ich ja noch in Serbien, in Negotin. Das ist auch eine wunderbare Stadt, hier kann/könnte man abends gemütlich zum Essen gehen. Es ist sehr viel Trubel im Ortskern. Ich gehe aber meist zum nächsten Restaurant und esse dort was reingeht. Reserven schaffen für den nächsten Tag! Das war’s dann auch schon mit dem Stadtbummel. Früh morgens komme ich heute weg. Die letzten Dinar habe ich in Euro umtauschen können – das geht dort in der Wechselstube neben meinem Hotel. Jetzt benötige ich keine Dinar mehr. Die 15 Kilometer bis zur Grenze nach Bregovo schaffe ich auch mit meinem halben Liter. Es wird auch heute wieder heiß – 37 Grad. Unterwegs fallen mir die großen Friedhöfe direkt an der Straße, ohne Zaun, ins Auge. Viele Gräber gibt es hier mit eingravierten Bildern der Verstorbenen. Überall Blumen, alles Kunststoffblumen. Die bauen hier kleine Tempel für die Hinterbliebenen. Wasser finde ich hier keines. Aber es gibt immer wieder, meist in der Stadtmitte eine öffentliche Wasserstelle. Hier holen sich die Einheimischen auch zum Teil noch das Trinkwasser. Und wenn kein Schild angebracht ist oder etwas geschrieben steht, dann dürfte es sich sehr wahrscheinlich um Trinkwasser handeln. Gegen 9 Uhr bin ich an der Grenze Serbien / BULGARIEN. Ich bin im siebten Land angekommen!

Bulgarien
Bulgarien
Grenze nach Bulgarien
Grenze nach Bulgarien

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Die Grenzerin erzählt mir, dass sie mit ihren zehn Jahren Dienst – verheiratet mit Kindern und 350 Euro im Monat verdient – der Kollege mit 20 Jahren Dienstzeit bekommt 400 Euro. In Bregovo gehe ich gleich zum ersten Geldautomaten. Der spuckt aber nichts aus – nicht geladen! Der zweite Automat gibt mir dann aber doch noch ein paar Leva / Lew. Dann wirds wieder hart. Von Bregovo nach Vidin sind es 28 Kilometer. Bulgarien ist dünn besiedelt und man streift eigentlich nur die Ortschaften am Rande. Also Trinken einpacken. Das genügt aber nicht – kein Problem. An jedem Haus bekomme ich auf Nachfrage Wasser. Zur Zeit trinke ich sicherlich circa 9 Liter am Tag. Und irgendwann habe auch ich es bemerkt: Hier wird die Uhr eine Stunde vorgestellt. Das gilt auch später für Rumänien. Es ist mir eigentlich erst in Negotin aufgefallen: In den Restaurants (im Freien) betteln viele wilde Hunde um einen Happen. Eigentlich muss dir so ein Hund leid tun. Alle sind bisher ganz lieb und friedlich. In Vidin sehe ich nach 44 km zum ersten Mal heute die Donau. Und dann laufe ich wieder einmal einen großen Stiefel zusammen. Ich will über die Brücke, etwa fünf Kilometer außerhalb von Vidin nach Calafat. Da ist die Grenze zum achten Land: RUMÄNIEN.

Auf der Brücke nach Rumänien
Auf der Brücke nach Rumänien

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Schlupfloch
Schlupfloch

Da ich mich irgendwie und irgendwo verfranzt habe, schaffe ich es, ohne eine Grenze zu sehen nach Calafat. Mir haben zwar auf der Brücke einige zugehupt (bin ich auf der falschen Brückenseite gewesen? Gibt es hier überhaupt Kontrollen?), aber durch ein Schlupfloch im Zaun konnte ich die Transitstrecke nach der Brücke etwas abkürzen. Egal, ich bin in Rumänien und decke mich gleich mit der nächsten Währung LEI / Ron ein. Das ist ein lustiges Plastiggeld und fühlt sich so ganz anders an wie unser Papiergeld. Später werde ich nochmal nach Bulgarien einreisen, so in 500 Km, da ist auch die nächste Brücke!!! Dazwischen wird mit Fähren gearbeitet. Ich habe 54 Kilometer geschafft. Nach Poiana Mare sind es noch 14 Kilometer. Mir macht die Hitze heute wieder ganz schön zu schaffen und die Füße werden die letzten Kilometer auch immer schwerer. Poiana Mare ist eine große Ortschaft mit circa sechs Kilometer Länge. Da wird es doch wohl etwas zum Übernachten geben. So habe ich mir das gestern gedacht, aber meine Zweifel gehabt, da sowohl im Internet, als auch in der Karte nichts verzeichnet, beziehungsweise angegeben war. Ja, und so ist es hier auch. Da gibt’s nichts, gar nichts, Null, Nada! Das haben dann auch alle in der Ortsmitte im Restaurant bestätigt. Was jetzt? Ich gehe zum Hausieren und frage nach einem Bett! Aber zum Glück: ein Gast vom Restaurant nimmt mich einfach in seinem Renault mit – leider wieder 14 Kilometer zurück nach Calafat. Tolle Sache! Er lässt mich aber direkt im Ortskern an einem Hotel aussteigen. Ich will dem freundlichen Renaultfahrer noch zehn Ron geben, das sind ein bisschen mehr wie 2 Euro, aber Geld lehnt der er strikt ab. Im Hotel bekomme ich zu hören, dass hier die einzigen Hotels im Umkreis von hundert Kilometer sein sollen. Da freuts mich ja schon auf morgen. Lieber Erwin Straub! Strup ich danke dir für den Tag 33 als Tagessponsor und freue mich auf ein Wiedersehen mit allen „9/11lern“.

Tourdaten: 68km in 9h 45min, Aufstieg 275m, Abstieg 250m, 4.876 Kcal

Gesamt: 2.092 Km in 291h 50min, Aufstieg 6.192m, Abstieg 6.299m, 164.425 Kcal.

Bis Morgen

Martin

PS: Später kommen noch ein paar Bilder, wenn es dann einmal geht

Tag 32: Kladovo – Negotin (59 km)

Hallo, noch einmal aus Serbien. Das Städtchen Kladovo hat mir gestern abend noch sehr gut gefallen, das ist eine sympathische Stadt mit westlichem Flair. Hier sprechen auch viele Leute deutsch. Nach dem Abendessen wollte ich auf meinem Zimmer noch die Route für heute planen, und ich bin geradezu über der Karte eingeschlafen. Um 2 Uhr habe ich dann die Zähne geputzt. Für heute gibt es verschiedene Routen zu dem Etappenziel Negotin. Eine wäre auf der rumänischen Seite gewesen. Da hätte ich gestern aber schon die Grenze nach Rumänien am Staudamm Derdap 1 passieren müssen. Meine Hauptroute geht weiter auf der serbischen Seite. Zunächst auf der Hauptstraße, auf und ab, ca. 28 km bis Slatina, da biege ich ab, direkt zur Donau. Bis dahin ist viel Verkehr um mich rum. Vor Monaten habe ich bei der Planung einen Weg abseits des Verkehrs auf der Karte eingezeichnet, die nach 5 Km wieder auf die Originalroute trifft, die dort dann auch abseits vom Hauptverkehr verläuft. „Wird schon passen!“ „Wenn nicht, dann gebe ich mir selbst eine Schelle“. Der Rucksack wird mir ab und zu dann schon einmal lästig. Ich glaube, ohne dieses Zusatzgewicht von fünf bis sechs Kilogramm (je nach Trinkvorrat) wäre die Tour um einiges entspannter. Manchmal hänge ich ihn um die rechte Schulter, dann linke Schulter oder eben normal auf den Rücken. So kann ich die Belastung etwas verteilen. Aber am unangenehmsten war der Rucksack schon noch die ersten Tage. Jetzt hat sich der Körper ein wenig darauf eingestellt. Und die Strecke direkt an der Donau ist ja so super. Direkt am Wasser. Rechts die Wochenendhäuschen und links die Bootsanleger beziehungsweise Angelplätze. DSC_0865 sketch-1436950488584 Und alles wieder voller Früchte. Die Kirschen sind jetzt ausverkauft, die Mirabellen wohl auch bald. Jetzt gibt es aber schon Pfirsiche und Brombeeren, Äpfel und Birnen. Aber was ich auf diesen circa 15 Kilometer an Gastfreundschaft erlebe, ist famous. Die (meistens) Rentner winken dich zu ihrer Hütte. Beim ersten Mal bekomme ich ein Wasser zu trinken. Bier, Schnaps oder Wein habe ich abgelehnt. Er zeigt mir seinen letzten Fang, ein Wels mit über 30 Kilogramm (lieber Tam, hier gibt es keine Forellen in der Donau, „nur“ Wels, Zander und Hecht). Und dann erzählt er mir, ich soll doch wieder zurückgehen, nach zwei Kilometern hat der Berg den Weg durch eine Lawine zugeschüttet und versperrt – schon länger her – macht niemand weg – circa 200 Meter lang und schwer bis gar nicht passierbar, erzählt er. Ich darf auch bei ihm übernachten, falls ich wieder vorbeikomme.

Einladung zum Trinken
Einladung zum Trinken

Aber ich will nicht die drei Kilometer zurück, also geradeaus weiter. Wir sind ja hier nicht auf einem Kindergeburtstag. Und das ist eine mächtige Lawine: Schlamm mit Bewuchs, Bäumen, Sträucher und Dornen. Da kommst du nicht durch, denke ich zuerst. Doch, rauf auf den Berg. Zum Teil knöcheltief im Schlamm wandere ich Meter für Meter und schlage mir einen Weg durch die Dornen. Und ich habe es doch geschafft. Notfalls wäre ich wahrscheinlich sogar geschwommen. Aber die Schuhe, die Socken, ojeh, das gibt wieder eine Sonderschicht beim Waschen.

Da geht's nicht weiter
Da geht’s nicht weiter

Ich habe ja vieles richtig geplant, aber weiße Socken – so ein Schwachsinn. Dann haue ich mir eine rein und gehe geradewegs zur nächsten Einladung. Hier gibt es ein Bier, dass ich mit Cola mische. Auf den Weg bekomme ich noch eine Gurke als Wegzehrung. Die Tomaten und Paprika musste ich auch ablehnen, kein Platz im Rucksack.

Gastfreundschaft 2
Gastfreundschaft 2

In meiner Liste im Tagebuch steht heute unter Verpflegung tagsüber: 1,-Euro für zwei Wasserflaschen. Danke ihr Lieben Rentner und Obstbäume. Noch schnell den Staudamm Derdap 2 fotografiert und kurz danach bin ich in Negotin in einem Hotel. Nach der Vollwäsche geht leider das warme Wasser aus. Das macht nix, die kalte Dusche war genial, heute hatte es 34 bis 35 Grad. Es war ein schöner Tag!

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Liebe Ute und Markus MEIER: Danke für das Sponsoring des heutigen Tages 32.

Tourdaten: 59 Km in 9h 15min, Aufstieg und Abstieg 285m, 4.380 Kcal

Gesamt: 2.024km in 282h 05min, Aufstieg 5.917m, Abstieg 6.049m, 159.549 Kcal See You Martin

Tag 31: Donji Milanovac – Kladavo (66 km)

Servus aus immer noch Serbien! Ja, ich weiß, der Bodensee ist deutlich breiter als 5 Km, aber irgendwo hat er auch mal 5km. Das mit dem Schätzen ist so eine Sache. Gestern habe ich ja noch berichtet, dass ich in einem Hotel mit über 100 Zimmer nächtige. 100 Zimmer? Ätschgäbele: Hinten an der Rezeption hängt ein Schlüsselkasten mit 30 x 16 Fächern, in den meisten ein Schlüssel. Das sind 480 Schlüssel/Zimmer!!! Und ihr werdet es nicht glauben, ich war wieder einzigster Gast beim Frühstück. Dieses mal in einem anderen Raum, ich meine Halle. Aber das Hotel und das Essen waren ok.

Frühstücksraum
Frühstücksraum

Meine Hauptlinse vom Foto im Handy läuft seit dem Badeaufenthalt vorgestern immer an. Wasser im Handy. Aber durch Reiben auf der Linse (erzeugt ja bekanntlich Wärme) geht der Schleier weg und ich kann wieder knipsen. Das dritte Päckchen ist in Rumänien angekommen! Nach über 4 Wochen hat es die Post der Länder geschafft – sie waren glücklicherweise etwas schneller als ich. Und wenn jemand einmal einen Golf1 sucht, hier gibt es noch viele. Dafür aber keine Tierkörperbeseitigungsanstalten (was für ein Wort). Das ist mir auch schon in Kroatien aufgefallen. Hier liegen überall tote Tiere herum, zum Teil mitten auf der Straße. Die sind aber nicht kürzlich erst überfahren worden, nein, die liegen auch abgenagt von irgendwelchen Aasfressern da rum. Vom Dachs über Ziege, Hase, Hund, Katze, Schlange, Frosch, Echse… Alles dabei. Fehlt noch der Elefant! Ja, und es stimmt, die 120 Kilometer bis zum Donaudamm Derdap1 sind sehr schön. Das Gelände ist zwar hügelig, aber für mich eine Abwechslung für die Muskeln. Einer der Höhepunkte an der Donau ist sicherlich der Durchgang durch die Derdap Schlucht, genannt das „Eiserne Tor“. Die engsten Stellen heißen hier der „Kleine und Große Kessel“ (Serbisch „Mali i veliki kazan“, wobei kazan wiederum aus dem Türkischen stammt und „Kochtopf“ bedeutet. Ja, hier hatten früher die Türken das Sagen.

Eisernes Tor mit der engsten Stelle
Eisernes Tor mit der engsten Stelle

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Eine enorme Wassermenge durchfließt die nur 150 Meter breite und 90 Meter tiefe Schlucht. Früher mussten sich die Schiffe hier richtig durchkämpfen, wenn sie es überhaupt geschafft haben – da war noch kein Staudamm, der die Donau beruhigt hat. Die Strömung war oft unbezwingbar, darum wahrscheinlich auch der Begriff „Eisernes Tor“. Immer wieder geht es nach oben mit tollem Ausblick. Da machst du jeden Kilometer ein paar Bilder.

Felsenbild im Hintergrund
Felsenbild im Hintergrund

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Und es kommen noch ein paar Tunnels. Auf dem abgesetztem Seitenstreifen ist es für Fußgänger fast besser als für die Radler, denn ich bin weg von der Straße. Es kommt ein LKW eingefahren. Tunnellänge 300 Meter. In der Mitte treffen wir uns. Er lässt die Muskeln spielen und grüßt mich mit seiner 7-Klang-Fanfare auf dem Führerhaus. Geschätzte 100 bar bläst er in die Tröten, so dass fast meine Höschen flattern. Im Tunnel war das schon ein abartiger Sound. Der Tunnel und ich waren eins – versteinert! Mit meinem Höchstpuls verlasse ich den Tunnel und komme wieder an eine Wasserstelle, immer Trinkwasser. Das ist bestens, denn wenn man hier einen Kiosk erwartet, dann muss man ihn schon selbst aufbauen.

Da geht's ganz schön rauf
Da geht’s ganz schön rauf

Um 15 Uhr 30 bin ich am Staudamm. Sieht schon ganz schön mächtig aus, aber das war’s auch schon.

Staudamm DERDAP
Staudamm DERDAP

Die neun Kilometer nach Kladovo schaffe ich dann auch noch. Ich benötige einen Bankautomat, welchen ich dort auch gleich finde. Ansonsten alles normal: 31 Grad, Füße einigermaßen okay, müde und ausgelaugt am Ziel, duschen, waschen, schreiben, essen… Mein liebes Malle-Team: Ich weiß es zu schätzen, dass ihr nicht alles dem Bierkönig gesponsert, sondern noch etwas für den Tag 31 übrig hattet – DANKE AN ALLE!!

Tourdaten: 66 Km erreiche 9h 30min, Aufstieg 405m, Abstieg 445m, 4.812 Kcal

Gesamt: 1.966km in 272h 50min, Aufstieg 5.632m, Abstieg 5.764m, 155.169 Kcal Bis Morgen Martin

Martin läuft die Donau entlang