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Tag 30: Veliko Gradiste – Donji Milanovac (74 km)

Dobardan,

Nach einem tollen Frühstück im Hotel Danubiapark muss ich zunächst erst einmal normal gehen. Ich habe so viel gegessen und mit dem vollen Magen benötige ich erst einmal ein oder zwei Kilometer langsames Einlaufen. Und dann geht es ab! Die ersten 22 Kilometer nach Golubac sind geschafft! Eine wunderschöne Stadt mit Strandpromenade. Der Reiseführer beziehungsweise die Karte hatte recht: Hier ist wirklich der schönste Teil Serbiens. Nach Golubac kommt die mittelalterliche Festung aus dem frühen vierzehnten Jahrhundert – echt cool das Teil, aber leider wegen Bauarbeiten gesperrt. Die hätte ich mir gerne angeschaut. Hier hat sich die Donau zu einem See mit schätzungsweise 5 Kilometer Breite aufgestaut. So breit wie der Bodensee!

Festung Golubac
Festung Golubac
Breiter Fluss
Breiter Fluss

Irgendwie fühle ich mich heute gar nicht so gut, mir ist unwohl. Habe ich etwas schlechtes getrunken/gegessen? Aber Weinen bringt auch nichts, also weiter. Ich setze mir ein Ziel: Um 13 Uhr bist du in Dobra bei Kilometer 46! Ich muss schon langsam kämpfen. Gott sei Dank ist es bewölkt. Trotzdem ist die Schwüle erdrückend. Hätte ich doch mehr zum Trinken mitgenommen. Es gibt hier wenige Verpflegungsmöglichkeiten. Aber es kommt Wasser aus den Bergen und das kann man trinken. An einer Stelle sauge ich ein Liter in mich rein und fülle die Flaschen. Die eine zum Trinken und die andere zum „Gießen“. Es hat wieder 33 Grad.  DSC_0666 Lauf Braitschi, lauf. Das sage ich jetzt auch schon zu mir und nochmal: Danke für die aufmunternden SMS, Emails… Auf der Straße sind jede 100 Meter Zahlen aufgespritzt: 9, 8, 7, 6, 5… bis 1. Null gibt es nicht, da kommt eine „volle“ Kilometerzahl die in meiner Richtung ständig abnimmt. „Noch einmal bis zur Kilometerzahl, noch bis 5 noch zweimal die 8… Dann wieder gehen. Noch vor 13 Uhr ereiche ich Dobra. Hier wäre eine Übernachtungsmöglichkeit, aber um 13 Uhr doch noch etwas zu früh. Obwohl ich schon ganz schön ausgemergelt bin, laufe ich weiter. Da war eh keiner da und das Restaurant hatte auch geschlossen – schade – habe Durst. Weiter geht’s – noch 14 Kilometer bis Lepenski Vir. Jetzt kommen die Tunnels. Ich packe mein Blinklicht aus. 21 Tunnels bis 370 Meter Länge, unbeleuchtet. Zum Blinklicht benötige ich sogar meine Taschenlampe vom Handy. Ich gehe auf dem schmalen Seitenstreifen. Trotzdem wird es ganz schön haarig, wenn sich auf deiner Höhe zwei Brummis begegnen. Das ist aber selten. Viel Verkehr hat es hier eigentlich nicht. 7 Tunnels packe ich mit mulmigem Gefühl. Danach hält ein Einheimischer Bauer an: „To dangerous, come on!“ „That’s right, why not“, denke ich mir. Die drei Kilometer haben mir gut getan (und von der Strecke abgezogen). Ich bekomme noch zum Dank, dass er mich mitgenommen hat, zwei Pfirsiche – danke Bauer.

DSC_0764So erreiche ich Lepenski Vir. Endlich trinken! Zwei Fanta und zwei Cola sind weg wie nix. Dann gehe ich noch schnell über einen kleinen Umweg zum Museum Lepenski Vir – es handelt sich hier um eine archäologische Fundstelle mit den Resten einer der ältesten Siedlung der Menschheit bis 8000 vor Christus. Da haben die aber eine Halle aufgebaut – wow. Nach 5 Minuten gehe ich wieder zurück. Mir läuft die Zeit davon. Jetzt habe ich 60 Kilometer und immer noch 14 Kilometer bis zum eingezeichneten Hotel vor mir. Ich gehe jetzt parallel zu der Hauptrolle auf einem alten und engen, über Klippen führenden Weg.

Kleiner Höhenpfad
Kleiner Höhenpfad
Coole Felsformation
Coole Felsformation

Es gibt wunderbare Ausblicke, marschiere in der schmalen Schlucht des Flüsschens Boljetin, wo ungewöhnliche Felsenformen, deren Schichten vertikal sind, entlang (leider alles verschmutzt). Jetzt noch ein längerer Anstieg (meist besser wie der Abstieg) und dann ein paar Kilometer wieder runter. Abschalten, zählen, jetzt bin ich da. Das Hotel liegt oben auf dem Berg – klasse. Heute bin ich ziemlich erledigt. Es ist ein riesiges Hotel, in Blöcken aufgeteilt, geschätzte 100 Zimmer – ich habe Zimmer 604C. Das Hotel hat die beste Zeit hinter sich. Im Restaurant, das für mich geöffnet wird, bin ich mal wieder der einzige Gast. Der Ober ist sehr nett und, so scheint es mir, an dem einzigen Gast Martin erfreut. Er schenkt mir noch nach dem Essen einen Apfel und ein Eis, ich etwas Trinkgeld. Jetzt sitze ich noch in der Lobby und schreibe diesen Bericht. Nur hier gibt es WLAN. Ach, ich könnte noch so viel erzählen… Lieber Patrick . Danke für den Tag 30 als Tagessponsor! Hartwig, du wirst das Ganze sicher mit dem Fahrrad einmal abfahren, wetten?

Tourdaten: 74 Km in 11h, Aufstieg 505m, Abstieg 445m, 5.540 Kcal Gesamt: 1.900 Km in 263h 20min, Aufstieg 5.227m, Abstieg 5.319m, 150.357 Kcal Es grüßt euch ein müder Martin

Tag 29: Kovin – Veliko Gradiste (59 km)

Ciao, Im Hotel war es heute Nacht durch die Hochzeit noch ganz schön laut. Das hat mich aber nicht mehr gestört. Ich habe mir die eigene Musik ins Ohr gesteckt. Morgens bekam ich schon um halb sieben ein schönes Frühstück serviert. Der Rücken war etwas malad von der schlechten Matratze. Aber egal, ich bewege mich ja gleich wieder. Nach den (meinen) negativen Eindrücken von gestern gehe ich positiv in den neuen Tag. Alles ist gut, die Füße etwas schwer. Ich komme schon um 7 Uhr weg, und laufe, was das Zeug hält. Ich habe heute noch eine wichtige Entscheidung zu treffen: Nach 40 Kilometern, in STARA PALANKA, kann ich auf der Nordseite der Donau bleiben, oder mit der Fähre auf die Südseite wechseln. Auf der Nordseite komme ich nach Rumänien. Dort sind mehr Unterkünfte und ich hätte wieder meine EU Flat fürs Handy. Auf der Südseite soll es aber schöner sein, aber etwas hügeliger. Leider gibt es hier weniger Übernachtungsmöglichkeiten. In der Folge kommen im Süden einige Tunnels, bis zu 500 Meter lang, bei denen es keine großen Ausweichmöglichkeiten gibt. Da hab ich Respekt davor. Was tun? Will ich nach Rumänien, dann muss ich ca. 25 Km über Bela Crkva über die EU- Außengrenze Serbien / Rumänien. Die 25 Km natürlich wieder zurück, und ich bin fast da, wo ich vorher war (siehe Karte).

Meine Karte
Meine Karte

Oder ich mache einfach einen illegalen Grenz-übertritt unterhalb SOCOL ( die Brücke in SOCOL über das Flüsschen gibt es laut Google Earth nicht mehr). Ich weiß nicht, wie breit der Bach ist, aber da müsste ich eben schwimmen. Bevor ich dort noch verhaftet werde, gehe ich lieber das Abenteuer Herbergssuche ein.

Die Fähre in Stara Palanka fährt laut Internet und Karte alle drei Stunden, beginnend ab 6 Uhr. Deswegen der kleine Stress am Morgen. Ich will die 40 Kilometer um 12 bewältigt haben, dort will ich in Stara Palanka sein. Ansonsten muss ich wieder drei Stunden warten.

Das Laufen hat heute gut geklappt. Es ist morgens etwas bewölkt, wird dann auch wieder schnell warm. Mittags haben wir wieder die 33 Grad. Ich konnte vor der Fähre sogar noch bei einem netten Wochenendhausbesitzer verweilen. Er hat mich kurzerhand einfach so zum Kaffee eingeladen.

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Es gibt Kaffee
Die Kühe baden
Die Kühe baden
...Ich auch
…Ich auch

Die Landschaft ist jetzt sehr schön. Etwas hügeliger, Waldgebiete, Wege abseits vom Verkehr, alles anders als gestern. Kurz vor zwölf bin ich an der Fähre. Die fährt aber erst um 13:15 Uhr, anstatt 12 Uhr. Egal, hier ist es schön und es hat Restaurants. Ich esse wunderbaren, gegrillten Zander und Wels – schreibe das Tagebuch.

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Fähre nach Ram

Hier beginnen die Karpaten und der Donaudurchbruch Eisernes Tor 1 und 2 ist nicht mehr weit. Dort muss sich die Donau durch das Gebirge zwängen. Fast 150 Kilometer staut sich die Donau ab hier bis zum Staudamm DERDAP, den Rumänien und Serbien in den Siebziger Jahren gemeinsam gebaut haben.

Sieht schon fast nach Meer aus
Sieht schon fast nach Meer aus

Nach 20 Minuten schöner Fährfahrt bin ich in Ram angekommen und laufe noch die restlichen 18 Kilometer bis ins Hotel. Die letzten acht Kilometer waren die schönsten in Serbien bisher, und so soll es auch weiter gehen. Direkt am Fluss, Berge, grüne Wiesen, Kühe, alleine! Ich fühle mich wie im Allgäu. Vor dem Ziel überholt mich noch ein einheimischer Radfahrer, mit Gemüse vollgepackt. Weiter vorne sitzt er im Schatten vor seinem Wohnwagen und bietet mir seinen Schnaps an. Na ja, bin ja gleich da. Ein kleiner Nipper aus dem Flachmann und ich gehe zum Silbersee, wo ein schönes Hotel auf mich wartet – mit kleinem Wasserpark.

Serbisches Allgäu
Serbisches Allgäu
Einfach schön
Einfach schön

Da gehe ich noch hin und trink was feines – fühle mich wie im Urlaub. So langsam sehe ich aus, wie eine Tigerente, gestreift, von der Sonne gegart.

Bin im Urlaub
Bin im Urlaub

Danke an die Tagessponsoren Heike & Karl-Heinz DERWING.

Tourdaten: 59 Km in 8h 30min, Aufstieg 150m, Abstieg 125m, 4.410 Kcal

Gesamt: 1.826 Km in 252h, 20min, Aufstieg 4.722m, Abstieg 4.874m, 144.817 Kcal

Es grüßt euch Martin

Tag 28: Belgrad – Kovin (57 km)

Hallo miteinander, Belgrad habe ich jetzt hinter mir gelassen, Gott sei Dank. Abends habe ich dort im Hotel noch gegessen – ich Idiot, so schlechte Penne hatte ich noch nie. Aber für 130 Dinar, das sind gerade einmal circa 1,10 Euro, kann man ja auch nicht viel erwarten. Aber hier sind alle so unfreundlich. Die Unfreundlichkeit erreicht ihren Höhepunkt morgens beim Frühstück. Es gibt um 7 Uhr Frühstück, ich bin sieben Minuten früher da. Der Frühstücksheinz schickt mich gleich wieder weg. Frühstück erst um 7! Nicht einmal setzen durfte ich mich dort. Also bin ich wieder rauf in den sechsten Stock, um die Zeit sinnvoll mit packen zu nutzen. Da bekomme ich auch gerade die zweite Strophe vom Donauranlied. Danke Andy. Das wird Basti sicher wieder zeitnah auf der Seite einstellen. Danke auch an Basti, Der die Seite so schön gestaltet. Zweiter Versuch, 07:05 Uhr. Ich bin wieder erster beim Frühstück. Nichts ist angerichtet. Der Ober knallt mir eine Karte auf den Tisch, die ich nicht lesen kann und sagt übersetzt: Ein Getränk und eine Sache zum Essen! Ich bestelle einen Kaffee und ein Omelett. Der Fliegenschiss ist aber viel zu wenig auf meinem Teller und ich will noch etwas Butter und Marmelade zum Brot. Der Ober reibt den Daumen und Zeigefinger. Das kostet extra! „Ja und mann, bring her, ich habe Hunger“. Und dann frage ich ihn noch, ob er schlecht geschlafen hat – er versteht mein Deutsch ja eh nicht. Dann geht’s ans Zahlen. 100 Dinar will er (ca. 80 Cent). Ich will im Kleingeld geben, kleine Scheine und etwas Münzgeld dazu. Das hat aber nicht ganz gereicht und außerdem will er nur Scheine. Mein 5000er ist ihm wiederum zu groß und er kann nicht wechseln. Zähneknirschend steckt er die 80 an Scheinen ein und gestikuliert, dass ich gehen soll. Das mache ich natürlich sofort. So ein, und jetzt entschuldigt, unfreundliches Arschloch. Beim nächsten Geldautomaten tanke ich noch etwas Dinar – oh, da sind ja noch ein paar hundert Dinarscheine im Geldbeutel (Hi, Hi ). Huch, aber mein Ausweis fehlt, den habe ich doch glatt im Hotel vergessen. Gottseidank frühzeitig bemerkt, sonst hätte ich ein Problem gehabt. Oh ja, gelaufen bin ich auch noch. Bei circa 32 Grad zunächst auf vierspurigen Straßen, autobahnähnlich. Aber hier ist doch der Radweg eingezeichnet. Ich bin solange nicht ganz sicher, bis ich an der Polizei vorbeilaufe. Die interessiert das nicht, also bin ich richtig.

Hier ist es vierspurig
Hier ist es vierspurig
Schlechter Untergrund
Schlechter Untergrund

Aber die Straßen und Seitenstreifen sind schlecht. Überall riesige Löcher und alles zugemüllt. Das macht mir keinen Spaß. Gehwege gibt es in den Ortschaften. Das sind irgendwelche Betonplatten direkt an den Häusern und Hunden entlang. Irgendwo am Ortsausgang Pančevo haben sie eine Rad- und Fußgängerfalle installiert. Hier ist mitten auf dem Weg, schön getarnt, da zugewachsen, ein Abwasserloch oder so etwas ähnliches. Mindestens vier Meter tief, dann kommt Wasser. Zum Glück habe ich da gerade nicht geträumt.

Das kann ins Auge gehen
Das kann ins Auge gehen
Da findet dich keiner mehr
Da findet dich keiner mehr

Es wird immer ärmlicher, so kommt es mir zumindest vor. Und die Einheimischen schauen mich von Tag zu Tag komischer an. Das sieht zugegebenermaßen auch ein bißchen blöd aus, wenn ich mit den roten  Kompressions-strümpfen in der Hitze herumstolziere.

Gehweg
Gehweg

Ich plane die Tages-strecke jetzt rein nach den Unterkünften. So kommen heute eben nur 57 Km zusammen. Ich muss mich auch langsam an einen einfacheren Standard gewöhnen. Da war ich zum Teil schon in anderen Zimmern. Aber ich hab wieder WLAN. Zwar nur in der Lobby, aber das geht ja auch. Nebenan feiern die hier eine Hochzeit und es ist sehr laut – die Musik spielt zum Tanz. Werde heute aber nicht mehr tanzen…

So wird hier zum Teil gewohnt
So wird hier zum Teil gewohnt

Der Tag 28 wurde gesponsert von der Familie Kuttler, Gomaringen. Danke Michel Bruddler.

Tourdaten: 57 Km in 8h 45min, Aufstieg 35m, Abstieg 60m, 4.144 Kcal

Gesamt: 1.767 Km in 243h 50min, Aufstieg 4.572m, Abstieg 4.749m, 140.407 Kcal

Bis morgen, ich gehe zum Essen

Martin

Tag 27: Beška – Belgrad (67 km)

Servus aus Belgrad, das Beitragsbild ist nicht die Stadt Nivea, sondern Belgrad. Da will ich heute hin. In der Pension in BEŠKA hatte ich noch eine nette Bekanntschaft mit österreichischen Radfahrern aus Linz. Die fahren auch noch bis Belgrad, dann ist für die Radler aber schluss. Auch sie klagen über die zum Teil schlechten Straßen.

Radler aus Österreich
Radler aus Österreich

Ich entscheide mich heute für eine Route abseits des Verkehrs. Es wird schon gut gehen. Es ist zwar sehr staubig, aber doch noch besser, als auf den vielbefahrenen Straßen. Die Temperatur pendelt sich bei 30 Grad ein. Ich komme mitten durch große Felder, meist Mais- oder Sonnenblumenfelder.

Hier gab es keinen Verkehr
Hier gab es keinen Verkehr

Währenddessen frage ich mich, wie lange hältst du das überhaupt noch durch? Der Körper wird das doch nicht ewig mitmachen. Ich warte jeden Tag darauf, bis es mir einmal so richtig den Stecker zieht, aber irgendwie geht es immer wieder aufs Neue. Ich gehe ja auch viel. Es ist schon grandios, zu was man seinen Körper bewegen kann. Aber irgendwann wird er wieder rebellieren – warten wir’s ab. Wenn ich nicht viel kann, aber Abschalten beim Laufen, das kann ich. Da träume ich einfach vor mich hin, zähle irgendwas oder schalte die „Anlage“ ab. Das geht heute wieder, gestern nicht, da habe ich mich von einem Lkw zum anderen konzentriert, da ist nichts mit Träumen. Das könnte dir zum Verhängnis werden. Heute schaue ich zum Beispiel ganz nach vorne an das Ende einer ewigen Geraden. Jetzt kommt ganz hinten ein Auto angefahren. Ich zähle meine Schritte: 267 sind es, bis mich das Auto passiert. Das nächste fährt nach 210 Schritten an mir vorbei. Bald bin ich bei Null angelangt, wieder über einen Kilometer abgeknabbert. Die nächste Gerade, alles von vorne… Belgrad liegt vor mir. Und wieder eine Hauptstadt mit 1,8 Millionen Einwohnern. So viel Einwohner haben auch die Hauptstädte Wien und Budapest. Das ist ja langweilig. Alleine in Belgrad bin ich fast 15 Kilometer unterwegs – gehend versteht sich. Dort laufe ich parallel zum Radweg Richtung Zentrum in den Stadtteilen Zemun und Novi Beograd. Ich komme durch viele verarmte Viertel. Kinder wühlen in Müllbergen herum. Apropos Müll. Ich finde, dass Belgrad ganz schön zugemüllt ist.

Auch das ist Belgrad Nähe Zentrum
Auch das ist Belgrad Nähe Zentrum

Überall sehe ich Abfall, vor allem Plastikflaschen. Sogar im Zentrum. Ansonsten wird es in Richtung Mitte natürlich besser. Für die Radfahrer ist gesorgt, überall gibt es eine Radspur, das war aber in den anderen Großstädten auch so. Sehr gut gemacht ist dies vor allem entlang der Donau und der Save, die im Zentrum Belgrads in die Donau fließt. Sehr schön finde ich auch die vielen Wasserrestaurants und -hotels auf den Booten. Aber auch hier, jedes zweite ist verlassen und heruntergekommen. Aber so zeigt sich Belgrad eben, hier hui, nebenan pfui. Mir haben die zwei Stunden Sightseeing gereicht. Die Festung Belgrads, „Kalemegdan“ habe ich nicht besucht.

Kalemegdan
Kalemegdan

Mitten im Zentrum halte ich Ausschau nach einem Hotel. Im Ersten kann ich nicht rein, da passe ich mit meinen Klamotten nicht ins Bild. Das zweite sieht ganz nett aus. Ich buche mich im Hotel Royal ein. Das Zimmer hat 4-5 qm (echt Freddy), aber Klima, die auch funktioniert. Man darf im Zimmer nichts berühren, alles sehr schmuddelig. Vom Rucksack packe ich nur das aus was ich auch benötige. Ich habe ja auch keinen Platz und der Rest ist verschmutzt. Die Dusche betrete ich mit den Flipflops. Verdammt, und wieder lässt sich der Duschkopf nicht einhängen. 1 Bügel muss für meine Wäsche reichen. Das Wasser läuft nicht ab, aber ich finde in einer Ecke doch noch WLAN und so kann ich euch das schreiben und versenden.

Blick aus meinem Zimmer
Blick aus meinem Zimmer
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Und das ist meine Bleibe in Belgrad

Tourdaten: 67 Km in 9h 05min, Aufstieg 140m, Abstieg 110m, 4.818 Kcal

Gesamt: 1.710 Km in 235h 05min, Aufstieg 4.537m, Abstieg 4.689m, 136.263 Kcal

Meinen besonderen Dank gilt der Familie Weissenrieder für den Tag 27. Ich freue mich schon auf die Überraschung von Andy Herkommer!

Grüße aus Belgrad Martin

Tag 26: Ilok – Beška/Serbien (69 km)

Hallo Leute (ich wollte eigentlich „hallo“ auf serbisch schreiben, aber das geht bei der kyrillischen Schrift nicht mehr)! Ich muss jetzt dringend einmal ausschlafen, ich kam heute Nacht nämlich wieder nicht dazu. Nach Mitternacht zog ein Gewitter über uns, sowas habe ich noch nie erlebt. Hier haben sicherlich die Wenigsten geschlafen. Ich gehe davon aus, dass der ein oder andere Blitz in die Donau direkt vor dem Hotel geschossen ist. Das war ein Donnerknall nach dem anderen. Einer lauter wie der andere. Aber das Gewitter hat die Temperaturen soweit gesenkt, dass ich morgens beim Frühstück im Freien fast gefroren habe. Super, um 7 Uhr geht’s los, denkste, da musste noch die Chefin kommen, da der Strom/Internet fürs Abrechnen der Kosten fehlte. Um nicht noch länger warten zu müssen, habe ich meine vorletzten Eurobestände rausgezogen und bezahlt. Kurz danach ging es schon in das 6. Land: SERBIEN. Hier ist alles ähnlich wie in Kroatien. Jetzt heißt die Währung Dinar und die Donau Danube.

 Serbien
Serbien

Ach ja, Serbien ist nicht in der EU, sondern nur Beitrittskandidat. Das habe ich dann irgendwann am Handy gesehen, hier gilt meine EU Flat fürs Telefonieren und das Datenvolumen nicht mehr. Ab gehts auf WLANsuche. Und ich benötige ja noch dringend Dinar, ich habe nur ein Drittel Liter Wasser dabei und muss mich irgendwann einmal versorgen. Aber ich habe ja gut gefrühstückt, das reicht jetzt erstmal die ersten 15 bis 20 Kilometer. Die Temperaturen sind ja sehr angenehm heute, das Laufen macht wieder richtig Laune. Jetzt bin ich bei Kilometer 20, ich habe Durst. Hier ist auch eine Wechselstube, aber dort bekomme mit meiner Karte nichts, ich benötige einen Geldautomaten. Euro tausche ich nicht ein, die brauche ich noch. No problem, weiter zum nächsten Dorf. Alles wieder auf Straßen, stark befahren ohne Seitenstreifen und manchmal auch recht schmal. Der ein oder andere will gar nicht ausweichen. Ich bedanke mich und entrichte meinen Gruß. Schwierig wird es aber, wenn dir ein Lkw entegen kommt – der gerade überholt wird. Was ich da hin und hereiere…

Coole Leitpfosten...
Coole Leitpfosten…
...wie in der Slowakei
…wie in der Slowakei

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Das mit den Früchten hatten wir ja schon
...die wären gut gewesen
…die wären gut gewesen

Ich wollte ja auf die rote Route an der Donau ausweichen, aber da gibt es auf jeden Fall keinen Bankautomaten. Ich bin ja auch schon im nächsten Dorf und da ist ein Automat – aber der geht nicht – Stromausfall! Sind ja erst 30 Kilometer, so ein Mist. Und meine Euro behalte ich! Das tut manchmal ganz schön weh, wenn du Durst hast und an den Getränken vorbeilaufen musst. Jetzt fängt es an zu regnen. Die Straßen werden ganz glitschig und glatt. Ich darf sogar duschen. Wenn hier ein Lkw in einem Abstand von 1,5 Zentimeter an dir vorbeirauscht, dann hast du deine Dusche. Ich sehe bald aus wie ein Streuselkuchen. Aber endlich, in Novi Sad finde ich dann doch noch meinen Geldautomaten und kann Wasser kaufen. Das wurde natürlich auch dokumentiert und sofort hat mich ein Ladensheriff angesprochen, dass hier keine Fotos zu machen sind. „Sorry, i don’t understand you…“

Endlich Wasser
Endlich Wasser

Es ist noch nicht zu spät, so verlasse ich mich auf meine Karte und laufe weiter zu einer Ortschaft mit zwei eingezeichnete Betten (Internet geht ja bekanntlich nicht mehr). Beim Durchlaufen des Ortes denke ich noch, oh je, jetzt kommen wir schon Eselskarren entgegen, das wird doch nicht… Das erste Hotel hat geschlossen. Aber so viel Glück muss man haben. Hier gibt es noch eine Pension mit WLAN, Klimaanlage und Fön zum Trocknen der Kleidung, sowie einem Restaurant. So ein Glück, wer ist denn da heute Tagessponsor? Danke dir mein Schatzi für den Tag 26. Bin bald wieder da!

Tourdaten: 69 km in 9 Stunden, Aufstieg 80 m, Abstieg 30 m, 5716 Kcal
Gesamt: 1643 km in 226 Stunden, Aufstieg 4397 m, Abstieg 4579 m, 131.445 Kcal

I will go on Martin