Tag 33: Negotin – Bregovo (Bulg.) – Calafat (Rum.) – Poiana Mare – Calafat (68 km)

Guten Abend aus Rumänien! Gestern war ich ja noch in Serbien, in Negotin. Das ist auch eine wunderbare Stadt, hier kann/könnte man abends gemütlich zum Essen gehen. Es ist sehr viel Trubel im Ortskern. Ich gehe aber meist zum nächsten Restaurant und esse dort was reingeht. Reserven schaffen für den nächsten Tag! Das war’s dann auch schon mit dem Stadtbummel. Früh morgens komme ich heute weg. Die letzten Dinar habe ich in Euro umtauschen können – das geht dort in der Wechselstube neben meinem Hotel. Jetzt benötige ich keine Dinar mehr. Die 15 Kilometer bis zur Grenze nach Bregovo schaffe ich auch mit meinem halben Liter. Es wird auch heute wieder heiß – 37 Grad. Unterwegs fallen mir die großen Friedhöfe direkt an der Straße, ohne Zaun, ins Auge. Viele Gräber gibt es hier mit eingravierten Bildern der Verstorbenen. Überall Blumen, alles Kunststoffblumen. Die bauen hier kleine Tempel für die Hinterbliebenen. Wasser finde ich hier keines. Aber es gibt immer wieder, meist in der Stadtmitte eine öffentliche Wasserstelle. Hier holen sich die Einheimischen auch zum Teil noch das Trinkwasser. Und wenn kein Schild angebracht ist oder etwas geschrieben steht, dann dürfte es sich sehr wahrscheinlich um Trinkwasser handeln. Gegen 9 Uhr bin ich an der Grenze Serbien / BULGARIEN. Ich bin im siebten Land angekommen!

Bulgarien
Bulgarien
Grenze nach Bulgarien
Grenze nach Bulgarien

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Die Grenzerin erzählt mir, dass sie mit ihren zehn Jahren Dienst – verheiratet mit Kindern und 350 Euro im Monat verdient – der Kollege mit 20 Jahren Dienstzeit bekommt 400 Euro. In Bregovo gehe ich gleich zum ersten Geldautomaten. Der spuckt aber nichts aus – nicht geladen! Der zweite Automat gibt mir dann aber doch noch ein paar Leva / Lew. Dann wirds wieder hart. Von Bregovo nach Vidin sind es 28 Kilometer. Bulgarien ist dünn besiedelt und man streift eigentlich nur die Ortschaften am Rande. Also Trinken einpacken. Das genügt aber nicht – kein Problem. An jedem Haus bekomme ich auf Nachfrage Wasser. Zur Zeit trinke ich sicherlich circa 9 Liter am Tag. Und irgendwann habe auch ich es bemerkt: Hier wird die Uhr eine Stunde vorgestellt. Das gilt auch später für Rumänien. Es ist mir eigentlich erst in Negotin aufgefallen: In den Restaurants (im Freien) betteln viele wilde Hunde um einen Happen. Eigentlich muss dir so ein Hund leid tun. Alle sind bisher ganz lieb und friedlich. In Vidin sehe ich nach 44 km zum ersten Mal heute die Donau. Und dann laufe ich wieder einmal einen großen Stiefel zusammen. Ich will über die Brücke, etwa fünf Kilometer außerhalb von Vidin nach Calafat. Da ist die Grenze zum achten Land: RUMÄNIEN.

Auf der Brücke nach Rumänien
Auf der Brücke nach Rumänien

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Schlupfloch
Schlupfloch

Da ich mich irgendwie und irgendwo verfranzt habe, schaffe ich es, ohne eine Grenze zu sehen nach Calafat. Mir haben zwar auf der Brücke einige zugehupt (bin ich auf der falschen Brückenseite gewesen? Gibt es hier überhaupt Kontrollen?), aber durch ein Schlupfloch im Zaun konnte ich die Transitstrecke nach der Brücke etwas abkürzen. Egal, ich bin in Rumänien und decke mich gleich mit der nächsten Währung LEI / Ron ein. Das ist ein lustiges Plastiggeld und fühlt sich so ganz anders an wie unser Papiergeld. Später werde ich nochmal nach Bulgarien einreisen, so in 500 Km, da ist auch die nächste Brücke!!! Dazwischen wird mit Fähren gearbeitet. Ich habe 54 Kilometer geschafft. Nach Poiana Mare sind es noch 14 Kilometer. Mir macht die Hitze heute wieder ganz schön zu schaffen und die Füße werden die letzten Kilometer auch immer schwerer. Poiana Mare ist eine große Ortschaft mit circa sechs Kilometer Länge. Da wird es doch wohl etwas zum Übernachten geben. So habe ich mir das gestern gedacht, aber meine Zweifel gehabt, da sowohl im Internet, als auch in der Karte nichts verzeichnet, beziehungsweise angegeben war. Ja, und so ist es hier auch. Da gibt’s nichts, gar nichts, Null, Nada! Das haben dann auch alle in der Ortsmitte im Restaurant bestätigt. Was jetzt? Ich gehe zum Hausieren und frage nach einem Bett! Aber zum Glück: ein Gast vom Restaurant nimmt mich einfach in seinem Renault mit – leider wieder 14 Kilometer zurück nach Calafat. Tolle Sache! Er lässt mich aber direkt im Ortskern an einem Hotel aussteigen. Ich will dem freundlichen Renaultfahrer noch zehn Ron geben, das sind ein bisschen mehr wie 2 Euro, aber Geld lehnt der er strikt ab. Im Hotel bekomme ich zu hören, dass hier die einzigen Hotels im Umkreis von hundert Kilometer sein sollen. Da freuts mich ja schon auf morgen. Lieber Erwin Straub! Strup ich danke dir für den Tag 33 als Tagessponsor und freue mich auf ein Wiedersehen mit allen „9/11lern“.

Tourdaten: 68km in 9h 45min, Aufstieg 275m, Abstieg 250m, 4.876 Kcal

Gesamt: 2.092 Km in 291h 50min, Aufstieg 6.192m, Abstieg 6.299m, 164.425 Kcal.

Bis Morgen

Martin

PS: Später kommen noch ein paar Bilder, wenn es dann einmal geht

Tag 32: Kladovo – Negotin (59 km)

Hallo, noch einmal aus Serbien. Das Städtchen Kladovo hat mir gestern abend noch sehr gut gefallen, das ist eine sympathische Stadt mit westlichem Flair. Hier sprechen auch viele Leute deutsch. Nach dem Abendessen wollte ich auf meinem Zimmer noch die Route für heute planen, und ich bin geradezu über der Karte eingeschlafen. Um 2 Uhr habe ich dann die Zähne geputzt. Für heute gibt es verschiedene Routen zu dem Etappenziel Negotin. Eine wäre auf der rumänischen Seite gewesen. Da hätte ich gestern aber schon die Grenze nach Rumänien am Staudamm Derdap 1 passieren müssen. Meine Hauptroute geht weiter auf der serbischen Seite. Zunächst auf der Hauptstraße, auf und ab, ca. 28 km bis Slatina, da biege ich ab, direkt zur Donau. Bis dahin ist viel Verkehr um mich rum. Vor Monaten habe ich bei der Planung einen Weg abseits des Verkehrs auf der Karte eingezeichnet, die nach 5 Km wieder auf die Originalroute trifft, die dort dann auch abseits vom Hauptverkehr verläuft. „Wird schon passen!“ „Wenn nicht, dann gebe ich mir selbst eine Schelle“. Der Rucksack wird mir ab und zu dann schon einmal lästig. Ich glaube, ohne dieses Zusatzgewicht von fünf bis sechs Kilogramm (je nach Trinkvorrat) wäre die Tour um einiges entspannter. Manchmal hänge ich ihn um die rechte Schulter, dann linke Schulter oder eben normal auf den Rücken. So kann ich die Belastung etwas verteilen. Aber am unangenehmsten war der Rucksack schon noch die ersten Tage. Jetzt hat sich der Körper ein wenig darauf eingestellt. Und die Strecke direkt an der Donau ist ja so super. Direkt am Wasser. Rechts die Wochenendhäuschen und links die Bootsanleger beziehungsweise Angelplätze. DSC_0865 sketch-1436950488584 Und alles wieder voller Früchte. Die Kirschen sind jetzt ausverkauft, die Mirabellen wohl auch bald. Jetzt gibt es aber schon Pfirsiche und Brombeeren, Äpfel und Birnen. Aber was ich auf diesen circa 15 Kilometer an Gastfreundschaft erlebe, ist famous. Die (meistens) Rentner winken dich zu ihrer Hütte. Beim ersten Mal bekomme ich ein Wasser zu trinken. Bier, Schnaps oder Wein habe ich abgelehnt. Er zeigt mir seinen letzten Fang, ein Wels mit über 30 Kilogramm (lieber Tam, hier gibt es keine Forellen in der Donau, „nur“ Wels, Zander und Hecht). Und dann erzählt er mir, ich soll doch wieder zurückgehen, nach zwei Kilometern hat der Berg den Weg durch eine Lawine zugeschüttet und versperrt – schon länger her – macht niemand weg – circa 200 Meter lang und schwer bis gar nicht passierbar, erzählt er. Ich darf auch bei ihm übernachten, falls ich wieder vorbeikomme.

Einladung zum Trinken
Einladung zum Trinken

Aber ich will nicht die drei Kilometer zurück, also geradeaus weiter. Wir sind ja hier nicht auf einem Kindergeburtstag. Und das ist eine mächtige Lawine: Schlamm mit Bewuchs, Bäumen, Sträucher und Dornen. Da kommst du nicht durch, denke ich zuerst. Doch, rauf auf den Berg. Zum Teil knöcheltief im Schlamm wandere ich Meter für Meter und schlage mir einen Weg durch die Dornen. Und ich habe es doch geschafft. Notfalls wäre ich wahrscheinlich sogar geschwommen. Aber die Schuhe, die Socken, ojeh, das gibt wieder eine Sonderschicht beim Waschen.

Da geht's nicht weiter
Da geht’s nicht weiter

Ich habe ja vieles richtig geplant, aber weiße Socken – so ein Schwachsinn. Dann haue ich mir eine rein und gehe geradewegs zur nächsten Einladung. Hier gibt es ein Bier, dass ich mit Cola mische. Auf den Weg bekomme ich noch eine Gurke als Wegzehrung. Die Tomaten und Paprika musste ich auch ablehnen, kein Platz im Rucksack.

Gastfreundschaft 2
Gastfreundschaft 2

In meiner Liste im Tagebuch steht heute unter Verpflegung tagsüber: 1,-Euro für zwei Wasserflaschen. Danke ihr Lieben Rentner und Obstbäume. Noch schnell den Staudamm Derdap 2 fotografiert und kurz danach bin ich in Negotin in einem Hotel. Nach der Vollwäsche geht leider das warme Wasser aus. Das macht nix, die kalte Dusche war genial, heute hatte es 34 bis 35 Grad. Es war ein schöner Tag!

...

Liebe Ute und Markus MEIER: Danke für das Sponsoring des heutigen Tages 32.

Tourdaten: 59 Km in 9h 15min, Aufstieg und Abstieg 285m, 4.380 Kcal

Gesamt: 2.024km in 282h 05min, Aufstieg 5.917m, Abstieg 6.049m, 159.549 Kcal See You Martin

Tag 31: Donji Milanovac – Kladavo (66 km)

Servus aus immer noch Serbien! Ja, ich weiß, der Bodensee ist deutlich breiter als 5 Km, aber irgendwo hat er auch mal 5km. Das mit dem Schätzen ist so eine Sache. Gestern habe ich ja noch berichtet, dass ich in einem Hotel mit über 100 Zimmer nächtige. 100 Zimmer? Ätschgäbele: Hinten an der Rezeption hängt ein Schlüsselkasten mit 30 x 16 Fächern, in den meisten ein Schlüssel. Das sind 480 Schlüssel/Zimmer!!! Und ihr werdet es nicht glauben, ich war wieder einzigster Gast beim Frühstück. Dieses mal in einem anderen Raum, ich meine Halle. Aber das Hotel und das Essen waren ok.

Frühstücksraum
Frühstücksraum

Meine Hauptlinse vom Foto im Handy läuft seit dem Badeaufenthalt vorgestern immer an. Wasser im Handy. Aber durch Reiben auf der Linse (erzeugt ja bekanntlich Wärme) geht der Schleier weg und ich kann wieder knipsen. Das dritte Päckchen ist in Rumänien angekommen! Nach über 4 Wochen hat es die Post der Länder geschafft – sie waren glücklicherweise etwas schneller als ich. Und wenn jemand einmal einen Golf1 sucht, hier gibt es noch viele. Dafür aber keine Tierkörperbeseitigungsanstalten (was für ein Wort). Das ist mir auch schon in Kroatien aufgefallen. Hier liegen überall tote Tiere herum, zum Teil mitten auf der Straße. Die sind aber nicht kürzlich erst überfahren worden, nein, die liegen auch abgenagt von irgendwelchen Aasfressern da rum. Vom Dachs über Ziege, Hase, Hund, Katze, Schlange, Frosch, Echse… Alles dabei. Fehlt noch der Elefant! Ja, und es stimmt, die 120 Kilometer bis zum Donaudamm Derdap1 sind sehr schön. Das Gelände ist zwar hügelig, aber für mich eine Abwechslung für die Muskeln. Einer der Höhepunkte an der Donau ist sicherlich der Durchgang durch die Derdap Schlucht, genannt das „Eiserne Tor“. Die engsten Stellen heißen hier der „Kleine und Große Kessel“ (Serbisch „Mali i veliki kazan“, wobei kazan wiederum aus dem Türkischen stammt und „Kochtopf“ bedeutet. Ja, hier hatten früher die Türken das Sagen.

Eisernes Tor mit der engsten Stelle
Eisernes Tor mit der engsten Stelle

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Eine enorme Wassermenge durchfließt die nur 150 Meter breite und 90 Meter tiefe Schlucht. Früher mussten sich die Schiffe hier richtig durchkämpfen, wenn sie es überhaupt geschafft haben – da war noch kein Staudamm, der die Donau beruhigt hat. Die Strömung war oft unbezwingbar, darum wahrscheinlich auch der Begriff „Eisernes Tor“. Immer wieder geht es nach oben mit tollem Ausblick. Da machst du jeden Kilometer ein paar Bilder.

Felsenbild im Hintergrund
Felsenbild im Hintergrund

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Und es kommen noch ein paar Tunnels. Auf dem abgesetztem Seitenstreifen ist es für Fußgänger fast besser als für die Radler, denn ich bin weg von der Straße. Es kommt ein LKW eingefahren. Tunnellänge 300 Meter. In der Mitte treffen wir uns. Er lässt die Muskeln spielen und grüßt mich mit seiner 7-Klang-Fanfare auf dem Führerhaus. Geschätzte 100 bar bläst er in die Tröten, so dass fast meine Höschen flattern. Im Tunnel war das schon ein abartiger Sound. Der Tunnel und ich waren eins – versteinert! Mit meinem Höchstpuls verlasse ich den Tunnel und komme wieder an eine Wasserstelle, immer Trinkwasser. Das ist bestens, denn wenn man hier einen Kiosk erwartet, dann muss man ihn schon selbst aufbauen.

Da geht's ganz schön rauf
Da geht’s ganz schön rauf

Um 15 Uhr 30 bin ich am Staudamm. Sieht schon ganz schön mächtig aus, aber das war’s auch schon.

Staudamm DERDAP
Staudamm DERDAP

Die neun Kilometer nach Kladovo schaffe ich dann auch noch. Ich benötige einen Bankautomat, welchen ich dort auch gleich finde. Ansonsten alles normal: 31 Grad, Füße einigermaßen okay, müde und ausgelaugt am Ziel, duschen, waschen, schreiben, essen… Mein liebes Malle-Team: Ich weiß es zu schätzen, dass ihr nicht alles dem Bierkönig gesponsert, sondern noch etwas für den Tag 31 übrig hattet – DANKE AN ALLE!!

Tourdaten: 66 Km erreiche 9h 30min, Aufstieg 405m, Abstieg 445m, 4.812 Kcal

Gesamt: 1.966km in 272h 50min, Aufstieg 5.632m, Abstieg 5.764m, 155.169 Kcal Bis Morgen Martin

Tag 30: Veliko Gradiste – Donji Milanovac (74 km)

Dobardan,

Nach einem tollen Frühstück im Hotel Danubiapark muss ich zunächst erst einmal normal gehen. Ich habe so viel gegessen und mit dem vollen Magen benötige ich erst einmal ein oder zwei Kilometer langsames Einlaufen. Und dann geht es ab! Die ersten 22 Kilometer nach Golubac sind geschafft! Eine wunderschöne Stadt mit Strandpromenade. Der Reiseführer beziehungsweise die Karte hatte recht: Hier ist wirklich der schönste Teil Serbiens. Nach Golubac kommt die mittelalterliche Festung aus dem frühen vierzehnten Jahrhundert – echt cool das Teil, aber leider wegen Bauarbeiten gesperrt. Die hätte ich mir gerne angeschaut. Hier hat sich die Donau zu einem See mit schätzungsweise 5 Kilometer Breite aufgestaut. So breit wie der Bodensee!

Festung Golubac
Festung Golubac
Breiter Fluss
Breiter Fluss

Irgendwie fühle ich mich heute gar nicht so gut, mir ist unwohl. Habe ich etwas schlechtes getrunken/gegessen? Aber Weinen bringt auch nichts, also weiter. Ich setze mir ein Ziel: Um 13 Uhr bist du in Dobra bei Kilometer 46! Ich muss schon langsam kämpfen. Gott sei Dank ist es bewölkt. Trotzdem ist die Schwüle erdrückend. Hätte ich doch mehr zum Trinken mitgenommen. Es gibt hier wenige Verpflegungsmöglichkeiten. Aber es kommt Wasser aus den Bergen und das kann man trinken. An einer Stelle sauge ich ein Liter in mich rein und fülle die Flaschen. Die eine zum Trinken und die andere zum „Gießen“. Es hat wieder 33 Grad.  DSC_0666 Lauf Braitschi, lauf. Das sage ich jetzt auch schon zu mir und nochmal: Danke für die aufmunternden SMS, Emails… Auf der Straße sind jede 100 Meter Zahlen aufgespritzt: 9, 8, 7, 6, 5… bis 1. Null gibt es nicht, da kommt eine „volle“ Kilometerzahl die in meiner Richtung ständig abnimmt. „Noch einmal bis zur Kilometerzahl, noch bis 5 noch zweimal die 8… Dann wieder gehen. Noch vor 13 Uhr ereiche ich Dobra. Hier wäre eine Übernachtungsmöglichkeit, aber um 13 Uhr doch noch etwas zu früh. Obwohl ich schon ganz schön ausgemergelt bin, laufe ich weiter. Da war eh keiner da und das Restaurant hatte auch geschlossen – schade – habe Durst. Weiter geht’s – noch 14 Kilometer bis Lepenski Vir. Jetzt kommen die Tunnels. Ich packe mein Blinklicht aus. 21 Tunnels bis 370 Meter Länge, unbeleuchtet. Zum Blinklicht benötige ich sogar meine Taschenlampe vom Handy. Ich gehe auf dem schmalen Seitenstreifen. Trotzdem wird es ganz schön haarig, wenn sich auf deiner Höhe zwei Brummis begegnen. Das ist aber selten. Viel Verkehr hat es hier eigentlich nicht. 7 Tunnels packe ich mit mulmigem Gefühl. Danach hält ein Einheimischer Bauer an: „To dangerous, come on!“ „That’s right, why not“, denke ich mir. Die drei Kilometer haben mir gut getan (und von der Strecke abgezogen). Ich bekomme noch zum Dank, dass er mich mitgenommen hat, zwei Pfirsiche – danke Bauer.

DSC_0764So erreiche ich Lepenski Vir. Endlich trinken! Zwei Fanta und zwei Cola sind weg wie nix. Dann gehe ich noch schnell über einen kleinen Umweg zum Museum Lepenski Vir – es handelt sich hier um eine archäologische Fundstelle mit den Resten einer der ältesten Siedlung der Menschheit bis 8000 vor Christus. Da haben die aber eine Halle aufgebaut – wow. Nach 5 Minuten gehe ich wieder zurück. Mir läuft die Zeit davon. Jetzt habe ich 60 Kilometer und immer noch 14 Kilometer bis zum eingezeichneten Hotel vor mir. Ich gehe jetzt parallel zu der Hauptrolle auf einem alten und engen, über Klippen führenden Weg.

Kleiner Höhenpfad
Kleiner Höhenpfad
Coole Felsformation
Coole Felsformation

Es gibt wunderbare Ausblicke, marschiere in der schmalen Schlucht des Flüsschens Boljetin, wo ungewöhnliche Felsenformen, deren Schichten vertikal sind, entlang (leider alles verschmutzt). Jetzt noch ein längerer Anstieg (meist besser wie der Abstieg) und dann ein paar Kilometer wieder runter. Abschalten, zählen, jetzt bin ich da. Das Hotel liegt oben auf dem Berg – klasse. Heute bin ich ziemlich erledigt. Es ist ein riesiges Hotel, in Blöcken aufgeteilt, geschätzte 100 Zimmer – ich habe Zimmer 604C. Das Hotel hat die beste Zeit hinter sich. Im Restaurant, das für mich geöffnet wird, bin ich mal wieder der einzige Gast. Der Ober ist sehr nett und, so scheint es mir, an dem einzigen Gast Martin erfreut. Er schenkt mir noch nach dem Essen einen Apfel und ein Eis, ich etwas Trinkgeld. Jetzt sitze ich noch in der Lobby und schreibe diesen Bericht. Nur hier gibt es WLAN. Ach, ich könnte noch so viel erzählen… Lieber Patrick . Danke für den Tag 30 als Tagessponsor! Hartwig, du wirst das Ganze sicher mit dem Fahrrad einmal abfahren, wetten?

Tourdaten: 74 Km in 11h, Aufstieg 505m, Abstieg 445m, 5.540 Kcal Gesamt: 1.900 Km in 263h 20min, Aufstieg 5.227m, Abstieg 5.319m, 150.357 Kcal Es grüßt euch ein müder Martin

Tag 29: Kovin – Veliko Gradiste (59 km)

Ciao, Im Hotel war es heute Nacht durch die Hochzeit noch ganz schön laut. Das hat mich aber nicht mehr gestört. Ich habe mir die eigene Musik ins Ohr gesteckt. Morgens bekam ich schon um halb sieben ein schönes Frühstück serviert. Der Rücken war etwas malad von der schlechten Matratze. Aber egal, ich bewege mich ja gleich wieder. Nach den (meinen) negativen Eindrücken von gestern gehe ich positiv in den neuen Tag. Alles ist gut, die Füße etwas schwer. Ich komme schon um 7 Uhr weg, und laufe, was das Zeug hält. Ich habe heute noch eine wichtige Entscheidung zu treffen: Nach 40 Kilometern, in STARA PALANKA, kann ich auf der Nordseite der Donau bleiben, oder mit der Fähre auf die Südseite wechseln. Auf der Nordseite komme ich nach Rumänien. Dort sind mehr Unterkünfte und ich hätte wieder meine EU Flat fürs Handy. Auf der Südseite soll es aber schöner sein, aber etwas hügeliger. Leider gibt es hier weniger Übernachtungsmöglichkeiten. In der Folge kommen im Süden einige Tunnels, bis zu 500 Meter lang, bei denen es keine großen Ausweichmöglichkeiten gibt. Da hab ich Respekt davor. Was tun? Will ich nach Rumänien, dann muss ich ca. 25 Km über Bela Crkva über die EU- Außengrenze Serbien / Rumänien. Die 25 Km natürlich wieder zurück, und ich bin fast da, wo ich vorher war (siehe Karte).

Meine Karte
Meine Karte

Oder ich mache einfach einen illegalen Grenz-übertritt unterhalb SOCOL ( die Brücke in SOCOL über das Flüsschen gibt es laut Google Earth nicht mehr). Ich weiß nicht, wie breit der Bach ist, aber da müsste ich eben schwimmen. Bevor ich dort noch verhaftet werde, gehe ich lieber das Abenteuer Herbergssuche ein.

Die Fähre in Stara Palanka fährt laut Internet und Karte alle drei Stunden, beginnend ab 6 Uhr. Deswegen der kleine Stress am Morgen. Ich will die 40 Kilometer um 12 bewältigt haben, dort will ich in Stara Palanka sein. Ansonsten muss ich wieder drei Stunden warten.

Das Laufen hat heute gut geklappt. Es ist morgens etwas bewölkt, wird dann auch wieder schnell warm. Mittags haben wir wieder die 33 Grad. Ich konnte vor der Fähre sogar noch bei einem netten Wochenendhausbesitzer verweilen. Er hat mich kurzerhand einfach so zum Kaffee eingeladen.

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Es gibt Kaffee
Die Kühe baden
Die Kühe baden
...Ich auch
…Ich auch

Die Landschaft ist jetzt sehr schön. Etwas hügeliger, Waldgebiete, Wege abseits vom Verkehr, alles anders als gestern. Kurz vor zwölf bin ich an der Fähre. Die fährt aber erst um 13:15 Uhr, anstatt 12 Uhr. Egal, hier ist es schön und es hat Restaurants. Ich esse wunderbaren, gegrillten Zander und Wels – schreibe das Tagebuch.

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Fähre nach Ram

Hier beginnen die Karpaten und der Donaudurchbruch Eisernes Tor 1 und 2 ist nicht mehr weit. Dort muss sich die Donau durch das Gebirge zwängen. Fast 150 Kilometer staut sich die Donau ab hier bis zum Staudamm DERDAP, den Rumänien und Serbien in den Siebziger Jahren gemeinsam gebaut haben.

Sieht schon fast nach Meer aus
Sieht schon fast nach Meer aus

Nach 20 Minuten schöner Fährfahrt bin ich in Ram angekommen und laufe noch die restlichen 18 Kilometer bis ins Hotel. Die letzten acht Kilometer waren die schönsten in Serbien bisher, und so soll es auch weiter gehen. Direkt am Fluss, Berge, grüne Wiesen, Kühe, alleine! Ich fühle mich wie im Allgäu. Vor dem Ziel überholt mich noch ein einheimischer Radfahrer, mit Gemüse vollgepackt. Weiter vorne sitzt er im Schatten vor seinem Wohnwagen und bietet mir seinen Schnaps an. Na ja, bin ja gleich da. Ein kleiner Nipper aus dem Flachmann und ich gehe zum Silbersee, wo ein schönes Hotel auf mich wartet – mit kleinem Wasserpark.

Serbisches Allgäu
Serbisches Allgäu
Einfach schön
Einfach schön

Da gehe ich noch hin und trink was feines – fühle mich wie im Urlaub. So langsam sehe ich aus, wie eine Tigerente, gestreift, von der Sonne gegart.

Bin im Urlaub
Bin im Urlaub

Danke an die Tagessponsoren Heike & Karl-Heinz DERWING.

Tourdaten: 59 Km in 8h 30min, Aufstieg 150m, Abstieg 125m, 4.410 Kcal

Gesamt: 1.826 Km in 252h, 20min, Aufstieg 4.722m, Abstieg 4.874m, 144.817 Kcal

Es grüßt euch Martin