Tag 28: Belgrad – Kovin (57 km)

Hallo miteinander, Belgrad habe ich jetzt hinter mir gelassen, Gott sei Dank. Abends habe ich dort im Hotel noch gegessen – ich Idiot, so schlechte Penne hatte ich noch nie. Aber für 130 Dinar, das sind gerade einmal circa 1,10 Euro, kann man ja auch nicht viel erwarten. Aber hier sind alle so unfreundlich. Die Unfreundlichkeit erreicht ihren Höhepunkt morgens beim Frühstück. Es gibt um 7 Uhr Frühstück, ich bin sieben Minuten früher da. Der Frühstücksheinz schickt mich gleich wieder weg. Frühstück erst um 7! Nicht einmal setzen durfte ich mich dort. Also bin ich wieder rauf in den sechsten Stock, um die Zeit sinnvoll mit packen zu nutzen. Da bekomme ich auch gerade die zweite Strophe vom Donauranlied. Danke Andy. Das wird Basti sicher wieder zeitnah auf der Seite einstellen. Danke auch an Basti, Der die Seite so schön gestaltet. Zweiter Versuch, 07:05 Uhr. Ich bin wieder erster beim Frühstück. Nichts ist angerichtet. Der Ober knallt mir eine Karte auf den Tisch, die ich nicht lesen kann und sagt übersetzt: Ein Getränk und eine Sache zum Essen! Ich bestelle einen Kaffee und ein Omelett. Der Fliegenschiss ist aber viel zu wenig auf meinem Teller und ich will noch etwas Butter und Marmelade zum Brot. Der Ober reibt den Daumen und Zeigefinger. Das kostet extra! „Ja und mann, bring her, ich habe Hunger“. Und dann frage ich ihn noch, ob er schlecht geschlafen hat – er versteht mein Deutsch ja eh nicht. Dann geht’s ans Zahlen. 100 Dinar will er (ca. 80 Cent). Ich will im Kleingeld geben, kleine Scheine und etwas Münzgeld dazu. Das hat aber nicht ganz gereicht und außerdem will er nur Scheine. Mein 5000er ist ihm wiederum zu groß und er kann nicht wechseln. Zähneknirschend steckt er die 80 an Scheinen ein und gestikuliert, dass ich gehen soll. Das mache ich natürlich sofort. So ein, und jetzt entschuldigt, unfreundliches Arschloch. Beim nächsten Geldautomaten tanke ich noch etwas Dinar – oh, da sind ja noch ein paar hundert Dinarscheine im Geldbeutel (Hi, Hi ). Huch, aber mein Ausweis fehlt, den habe ich doch glatt im Hotel vergessen. Gottseidank frühzeitig bemerkt, sonst hätte ich ein Problem gehabt. Oh ja, gelaufen bin ich auch noch. Bei circa 32 Grad zunächst auf vierspurigen Straßen, autobahnähnlich. Aber hier ist doch der Radweg eingezeichnet. Ich bin solange nicht ganz sicher, bis ich an der Polizei vorbeilaufe. Die interessiert das nicht, also bin ich richtig.

Hier ist es vierspurig
Hier ist es vierspurig
Schlechter Untergrund
Schlechter Untergrund

Aber die Straßen und Seitenstreifen sind schlecht. Überall riesige Löcher und alles zugemüllt. Das macht mir keinen Spaß. Gehwege gibt es in den Ortschaften. Das sind irgendwelche Betonplatten direkt an den Häusern und Hunden entlang. Irgendwo am Ortsausgang Pančevo haben sie eine Rad- und Fußgängerfalle installiert. Hier ist mitten auf dem Weg, schön getarnt, da zugewachsen, ein Abwasserloch oder so etwas ähnliches. Mindestens vier Meter tief, dann kommt Wasser. Zum Glück habe ich da gerade nicht geträumt.

Das kann ins Auge gehen
Das kann ins Auge gehen
Da findet dich keiner mehr
Da findet dich keiner mehr

Es wird immer ärmlicher, so kommt es mir zumindest vor. Und die Einheimischen schauen mich von Tag zu Tag komischer an. Das sieht zugegebenermaßen auch ein bißchen blöd aus, wenn ich mit den roten  Kompressions-strümpfen in der Hitze herumstolziere.

Gehweg
Gehweg

Ich plane die Tages-strecke jetzt rein nach den Unterkünften. So kommen heute eben nur 57 Km zusammen. Ich muss mich auch langsam an einen einfacheren Standard gewöhnen. Da war ich zum Teil schon in anderen Zimmern. Aber ich hab wieder WLAN. Zwar nur in der Lobby, aber das geht ja auch. Nebenan feiern die hier eine Hochzeit und es ist sehr laut – die Musik spielt zum Tanz. Werde heute aber nicht mehr tanzen…

So wird hier zum Teil gewohnt
So wird hier zum Teil gewohnt

Der Tag 28 wurde gesponsert von der Familie Kuttler, Gomaringen. Danke Michel Bruddler.

Tourdaten: 57 Km in 8h 45min, Aufstieg 35m, Abstieg 60m, 4.144 Kcal

Gesamt: 1.767 Km in 243h 50min, Aufstieg 4.572m, Abstieg 4.749m, 140.407 Kcal

Bis morgen, ich gehe zum Essen

Martin

Tag 27: Beška – Belgrad (67 km)

Servus aus Belgrad, das Beitragsbild ist nicht die Stadt Nivea, sondern Belgrad. Da will ich heute hin. In der Pension in BEŠKA hatte ich noch eine nette Bekanntschaft mit österreichischen Radfahrern aus Linz. Die fahren auch noch bis Belgrad, dann ist für die Radler aber schluss. Auch sie klagen über die zum Teil schlechten Straßen.

Radler aus Österreich
Radler aus Österreich

Ich entscheide mich heute für eine Route abseits des Verkehrs. Es wird schon gut gehen. Es ist zwar sehr staubig, aber doch noch besser, als auf den vielbefahrenen Straßen. Die Temperatur pendelt sich bei 30 Grad ein. Ich komme mitten durch große Felder, meist Mais- oder Sonnenblumenfelder.

Hier gab es keinen Verkehr
Hier gab es keinen Verkehr

Währenddessen frage ich mich, wie lange hältst du das überhaupt noch durch? Der Körper wird das doch nicht ewig mitmachen. Ich warte jeden Tag darauf, bis es mir einmal so richtig den Stecker zieht, aber irgendwie geht es immer wieder aufs Neue. Ich gehe ja auch viel. Es ist schon grandios, zu was man seinen Körper bewegen kann. Aber irgendwann wird er wieder rebellieren – warten wir’s ab. Wenn ich nicht viel kann, aber Abschalten beim Laufen, das kann ich. Da träume ich einfach vor mich hin, zähle irgendwas oder schalte die „Anlage“ ab. Das geht heute wieder, gestern nicht, da habe ich mich von einem Lkw zum anderen konzentriert, da ist nichts mit Träumen. Das könnte dir zum Verhängnis werden. Heute schaue ich zum Beispiel ganz nach vorne an das Ende einer ewigen Geraden. Jetzt kommt ganz hinten ein Auto angefahren. Ich zähle meine Schritte: 267 sind es, bis mich das Auto passiert. Das nächste fährt nach 210 Schritten an mir vorbei. Bald bin ich bei Null angelangt, wieder über einen Kilometer abgeknabbert. Die nächste Gerade, alles von vorne… Belgrad liegt vor mir. Und wieder eine Hauptstadt mit 1,8 Millionen Einwohnern. So viel Einwohner haben auch die Hauptstädte Wien und Budapest. Das ist ja langweilig. Alleine in Belgrad bin ich fast 15 Kilometer unterwegs – gehend versteht sich. Dort laufe ich parallel zum Radweg Richtung Zentrum in den Stadtteilen Zemun und Novi Beograd. Ich komme durch viele verarmte Viertel. Kinder wühlen in Müllbergen herum. Apropos Müll. Ich finde, dass Belgrad ganz schön zugemüllt ist.

Auch das ist Belgrad Nähe Zentrum
Auch das ist Belgrad Nähe Zentrum

Überall sehe ich Abfall, vor allem Plastikflaschen. Sogar im Zentrum. Ansonsten wird es in Richtung Mitte natürlich besser. Für die Radfahrer ist gesorgt, überall gibt es eine Radspur, das war aber in den anderen Großstädten auch so. Sehr gut gemacht ist dies vor allem entlang der Donau und der Save, die im Zentrum Belgrads in die Donau fließt. Sehr schön finde ich auch die vielen Wasserrestaurants und -hotels auf den Booten. Aber auch hier, jedes zweite ist verlassen und heruntergekommen. Aber so zeigt sich Belgrad eben, hier hui, nebenan pfui. Mir haben die zwei Stunden Sightseeing gereicht. Die Festung Belgrads, „Kalemegdan“ habe ich nicht besucht.

Kalemegdan
Kalemegdan

Mitten im Zentrum halte ich Ausschau nach einem Hotel. Im Ersten kann ich nicht rein, da passe ich mit meinen Klamotten nicht ins Bild. Das zweite sieht ganz nett aus. Ich buche mich im Hotel Royal ein. Das Zimmer hat 4-5 qm (echt Freddy), aber Klima, die auch funktioniert. Man darf im Zimmer nichts berühren, alles sehr schmuddelig. Vom Rucksack packe ich nur das aus was ich auch benötige. Ich habe ja auch keinen Platz und der Rest ist verschmutzt. Die Dusche betrete ich mit den Flipflops. Verdammt, und wieder lässt sich der Duschkopf nicht einhängen. 1 Bügel muss für meine Wäsche reichen. Das Wasser läuft nicht ab, aber ich finde in einer Ecke doch noch WLAN und so kann ich euch das schreiben und versenden.

Blick aus meinem Zimmer
Blick aus meinem Zimmer
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Und das ist meine Bleibe in Belgrad

Tourdaten: 67 Km in 9h 05min, Aufstieg 140m, Abstieg 110m, 4.818 Kcal

Gesamt: 1.710 Km in 235h 05min, Aufstieg 4.537m, Abstieg 4.689m, 136.263 Kcal

Meinen besonderen Dank gilt der Familie Weissenrieder für den Tag 27. Ich freue mich schon auf die Überraschung von Andy Herkommer!

Grüße aus Belgrad Martin

Tag 26: Ilok – Beška/Serbien (69 km)

Hallo Leute (ich wollte eigentlich „hallo“ auf serbisch schreiben, aber das geht bei der kyrillischen Schrift nicht mehr)! Ich muss jetzt dringend einmal ausschlafen, ich kam heute Nacht nämlich wieder nicht dazu. Nach Mitternacht zog ein Gewitter über uns, sowas habe ich noch nie erlebt. Hier haben sicherlich die Wenigsten geschlafen. Ich gehe davon aus, dass der ein oder andere Blitz in die Donau direkt vor dem Hotel geschossen ist. Das war ein Donnerknall nach dem anderen. Einer lauter wie der andere. Aber das Gewitter hat die Temperaturen soweit gesenkt, dass ich morgens beim Frühstück im Freien fast gefroren habe. Super, um 7 Uhr geht’s los, denkste, da musste noch die Chefin kommen, da der Strom/Internet fürs Abrechnen der Kosten fehlte. Um nicht noch länger warten zu müssen, habe ich meine vorletzten Eurobestände rausgezogen und bezahlt. Kurz danach ging es schon in das 6. Land: SERBIEN. Hier ist alles ähnlich wie in Kroatien. Jetzt heißt die Währung Dinar und die Donau Danube.

 Serbien
Serbien

Ach ja, Serbien ist nicht in der EU, sondern nur Beitrittskandidat. Das habe ich dann irgendwann am Handy gesehen, hier gilt meine EU Flat fürs Telefonieren und das Datenvolumen nicht mehr. Ab gehts auf WLANsuche. Und ich benötige ja noch dringend Dinar, ich habe nur ein Drittel Liter Wasser dabei und muss mich irgendwann einmal versorgen. Aber ich habe ja gut gefrühstückt, das reicht jetzt erstmal die ersten 15 bis 20 Kilometer. Die Temperaturen sind ja sehr angenehm heute, das Laufen macht wieder richtig Laune. Jetzt bin ich bei Kilometer 20, ich habe Durst. Hier ist auch eine Wechselstube, aber dort bekomme mit meiner Karte nichts, ich benötige einen Geldautomaten. Euro tausche ich nicht ein, die brauche ich noch. No problem, weiter zum nächsten Dorf. Alles wieder auf Straßen, stark befahren ohne Seitenstreifen und manchmal auch recht schmal. Der ein oder andere will gar nicht ausweichen. Ich bedanke mich und entrichte meinen Gruß. Schwierig wird es aber, wenn dir ein Lkw entegen kommt – der gerade überholt wird. Was ich da hin und hereiere…

Coole Leitpfosten...
Coole Leitpfosten…
...wie in der Slowakei
…wie in der Slowakei

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Das mit den Früchten hatten wir ja schon
...die wären gut gewesen
…die wären gut gewesen

Ich wollte ja auf die rote Route an der Donau ausweichen, aber da gibt es auf jeden Fall keinen Bankautomaten. Ich bin ja auch schon im nächsten Dorf und da ist ein Automat – aber der geht nicht – Stromausfall! Sind ja erst 30 Kilometer, so ein Mist. Und meine Euro behalte ich! Das tut manchmal ganz schön weh, wenn du Durst hast und an den Getränken vorbeilaufen musst. Jetzt fängt es an zu regnen. Die Straßen werden ganz glitschig und glatt. Ich darf sogar duschen. Wenn hier ein Lkw in einem Abstand von 1,5 Zentimeter an dir vorbeirauscht, dann hast du deine Dusche. Ich sehe bald aus wie ein Streuselkuchen. Aber endlich, in Novi Sad finde ich dann doch noch meinen Geldautomaten und kann Wasser kaufen. Das wurde natürlich auch dokumentiert und sofort hat mich ein Ladensheriff angesprochen, dass hier keine Fotos zu machen sind. „Sorry, i don’t understand you…“

Endlich Wasser
Endlich Wasser

Es ist noch nicht zu spät, so verlasse ich mich auf meine Karte und laufe weiter zu einer Ortschaft mit zwei eingezeichnete Betten (Internet geht ja bekanntlich nicht mehr). Beim Durchlaufen des Ortes denke ich noch, oh je, jetzt kommen wir schon Eselskarren entgegen, das wird doch nicht… Das erste Hotel hat geschlossen. Aber so viel Glück muss man haben. Hier gibt es noch eine Pension mit WLAN, Klimaanlage und Fön zum Trocknen der Kleidung, sowie einem Restaurant. So ein Glück, wer ist denn da heute Tagessponsor? Danke dir mein Schatzi für den Tag 26. Bin bald wieder da!

Tourdaten: 69 km in 9 Stunden, Aufstieg 80 m, Abstieg 30 m, 5716 Kcal
Gesamt: 1643 km in 226 Stunden, Aufstieg 4397 m, Abstieg 4579 m, 131.445 Kcal

I will go on Martin

Tag 25: Osijek – Ilok (70 km)

Guten Abend, das letzte mal aus Kroatien!

Gestern hatte es noch um 21 Uhr 30 über 34 Grad Celsius vor dem Hotel. Heute morgen hat das Hotel dafür gesorgt, dass das Paket mit meinen Austauschsachen wieder nach Deutschland versendet wird – danke, sehr freundlich. Heute wusste ich, das wird vielleicht der heißeste Tag, eventuell eine lange Strecke und keine Hotels beziehungsweise größere Ortschaften „hinten raus“. Es wird die Hölle werden, denke ich mir. Ich will so gar nicht aus meinem klimatisierten Zimmer. Der Austritt aus dem Hotel war so, wie wenn du im August in Hurghada aus dem Flieger steigst. Es gibt ab Osijek eine längere Strecke und eine kürzere. Ich nehme die kürzere. Wasserstellen finde ich hier ja keine mehr. Aber an Kirchen oder Friedhöfen gibt es oft noch einen Wasserhahn (Grabpflege). Ich verausgabe mich eigentlich schon morgens, da muss ich die Kilometer machen. Leider gibt es auch heute wieder keine Radwege. Die sind in Kroatien mangelware. Meist gehe ich auf Landstraßen. Und dort auf der linken Seite, so sehe ich, wenn ich ausweichen muss und so hat man es ja auch gelernt. Da kannst du so sonst drauf warten, bis dich jemand aus den Socken holt. Gefährlich wird es, wenn gleichzeitig zwei Brummis kommen, von vorne und hinten. Das ist aber selten, doch es nervt eben. Ständig nach links aufs Bankett ausweichen. Ja, ich wiederhole mich vielleicht ab und zu, aber diese Dinge erlebe ich vielleicht am Intensivsten oder berühren mich am Meisten: Tonnenweise bester Kirschen, Mirabellen, Zwetschgen, Maulbeeren… verkommen auf den Bäumen oder verfaulen auf dem Boden. So viel kann ich gar nicht essen. Und dann die verlassenen, alten, heruntergekommenen Dorfer. Den Höhepunkt erlebe ich in Vukovar: Viele Gebäude sind dort mit Einschüssen zu sehen. Alles wurde so belassen, manchmal vielleicht noch die Löcher verputzt. Das gleiche auch an vielen Privathäusern. Warum denn Vukovar, frage ich mich: Beim Durchlaufen sehe ich dort viele Ministerien – vielleicht war das damals der Grund. Ein Wahrzeichen / Mahnmal ist der zerschossene Wasserturm am Ausgang von Vukovar. Hier geht es wieder auf die Landstraße von einem kleinen Ort zum anderen. DSC_0507Natürlich sind hier keine Unterkünfte, wie gedacht. So kämpfe ich mich eben durch bis Ilok. Überall Weinanbaugebiete, Maisfelder, soweit das Auge reicht. Und eben wieder die Einsamkeit in den Dörfern, nur in den Großstädten wird Geld investiert, da gibt es zum Teil richtige Prachtbauten.

Bahnhof Vukovar
Bahnhof Vukovar
Fast schon wieder schön
Fast schon wieder schön
Wasserturm in Vukovar
Wasserturm in Vukovar

Leo, meine Große, schreibt mir: „Schubi damm damm“ (Tag 19) Das Lied ist von Howard Carpendale: „Du fängst den Wind niemals ein“. Nur zur Info! Ilok, das ist der östlichste Teil von Kroatien an der Grenze zu Serbien. Hier laufe ich zum besten Hotel am Platz. Hotel Dunav Ilok. Das gönne ich mir heute und bin stolz auf mich, dass ich es ziemlich gut überstanden habe. Unterwegs habe ich noch ein Radler überholt, der war ganz schön dehydriert. Ich ja auch fast, habe mir aber keine Blöße gezeigt und bin gerannt, als wenn es nichts wäre. Gott sei Dank hat er mich dann bald wieder überholt und zu seiner Frau aufgeschlossen. Lange hätte ich das nicht mehr durchgehalten. Im Hotel habe ich die Beiden wieder getroffen. Die radeln auch ans Schwarze Meer. Im Hotel bin ich sofort mitsamt den Klamotten unter die kalte Dusche gestanden. Und zum Glück: Die Hölle war es heute nicht!

Tourdaten: 70 Km in 10h, Aufstieg und Abstieg 175m, 5.428 Kcal Gesamt: 1.574 Km in 217h, 05min, Aufstieg 4.317m, Abstieg 4.549m, 125.729 Kcal

Jogi, mein Freund und Laufkumpel: Dankschee für den Tag 25! Ich glaub, ich geh jetzt rein, die nebeln hier draußen ein Mückenmittel über die Anlage.

Gruß Martin

Tag 24: Batina – Osijek (42 km)

Bok heißt hier hallo, also Bok! Gestern habe ich noch an „meiner“ Fischerhütte ein Lagerfeuer gemacht. Und da kein Tanzabend im Dorfchen war, bin ich schon um 22 Uhr ins Bett gegangen. Aber ich konnte wiederum nicht einschlafen, obwohl es gar nicht so warm im Zimmer war. Ich müsste doch viel mehr schlafen, denke ich mir. Und ohne Mückengitter wärst du hier aufgeschmissen. Dann hätte ich wahrscheinlich gar nicht geschlafen. Um 05:25 Uhr bin ich raus aus den Federn, der Vermieter versprach mir hier einen schönen Sonnenaufgang – stimmt, das war ein schöner Beginn in den Tag 24.

Sonnenaufgang bei BATINA
Sonnenaufgang bei BATINA

Und heute sind es ja nur 42 Kilometer! Easy living, denke ich mir, aber weit gefehlt. Ich war im Kopf schon in Osijek, meinem Tagesziel angelangt. Umso schwerer ist es mir dann den ganzen Tag auch gefallen. Die 39 Grad Celsius haben mir ganz schön meine Batterien entladen, und zwar schneller als gedacht. Und wieder kein Schatten. Schatten gibt es nur vereinzelt in den kleinen Dörfern und Städtchen. Die Gegend und die Strecke sind ähnlich wie gestern. Verlassene Dörfer, alte bis verkommene Häuser und Hütten, in welchen zum Teil sogar noch Leute wohnen. Bäume wachsen aus den Häusern. Auch neu gebaute Häuser stehen im Rohbau da und sind anscheinend aufgegeben. Da wurden sogar die Fenster zugemauert. Die haben hier nicht viel oder gar kein Geld, denke ich mir. Aber warum lassen Sie die schönen Früchte von und auf den Bäumen verkommen? Die liegen alle auf dem Boden rum und verderben dort. Da wird zumindest im Kleinen nicht geerntet.

...alles sieht hier verlassen aus
…alles sieht hier verlassen aus
...zugemauert
…zugemauert
...Bäume wachsen aus den Häusern
…Bäume wachsen aus den Häusern

Und es wird immer heißer. Wie lange sind denn heute 42 Kilometer? Da sieht man wieder. Alles Kopfsache. Das bin ich heute einfach zu leicht angegangen. Oder werde ich allgemein immer schwächer? Heute habe ich das erste Mal gemeint, mich holt jetzt bald der Geier. Und morgen soll es 41 Grad heiß werden. Hilfe! Mit dem Schattenlaufen in den Ortschaften ist es auch so eine Sache. Da musst du direkt an den Zäunen am Haus vorbeilaufen. Nur da sind vereinzelt Bäume. Und zu 110 Prozent kommt so eine vierfüßige Kojote angespurtet und springt an der Umzäunung hoch. Da warte ich drauf, bis es mir wieder irgendwo reinfährt. Und die Zäune haben auch schon bessere Zeiten gehabt – irgendwann fällt mir mir so ein Hund mit dem Zaun direkt vor die Füße. In Osijek ist Halbzeit! Fast genau 42 Kilometer waren es bis zum Hotel. Die 195 Meter bin ich dann gerade auch noch gelaufen, so dass die Marathondistanz wenigstens komplett ist. Und im Hotel Silver feier ich Weihnachten mit meinem zweiten Paket, das größte Paket. Endlich neue Schuhe. Die alten Nike müssen jetzt den neuen Brooks weichen. Zum Abschied haben wir die Nike heute noch eine Blase unten am kleinen Zeh geschenkt. Das ist jetzt meine vierte Blase. Die alten Schuhe sind ziemlich am Ende, das habe ich beim Laufen schon bemerkt. Jedes kleine Steinchen drückt auf die Fußsohle durch. Die Dämpfung war jetzt nichts mehr für lange Läufe. Aber als Andenken sende ich sie wieder nach Aulendorf zurück. Und dann gab es noch neue Wäsche, Mineraltabletten, Kartenmaterial, Zahnbürste, Creme, Shampoo, Blinklicht für die späteren Tunnels… Ein paar Kleinigkeiten wie Blasenpflaster, Hirschtalg usw habe ich kaum gebraucht und sende es wieder mit der alten (aber nochmals gewaschenen Kleidung – will ja nicht, dass sich der Karton auflöst) nach Deutschland zurück.

Ha
HaLbzeit
Weihnachten in Osijek
Weihnachten in Osijek

Tourdaten:

42 Km in 6h 50min, Aufstieg 70m, Abstieg 60m, 3.100 Kcal

Gesamt: 1.504 Km in 207h 05min, Aufstieg 4.042m, Abstieg 4.274m, 120.301 Kcal.

Hallo liebe Mama, hallo lieber Papa, Danke für den Tag 24. Und ihr seht, ich bin bald durch und es passiert mir nichts. Bis die Tage

Gruß Martin