Tag 23: Baja – Batina/Kroatien (67 km)

Hallo! Mann, war das eine Nacht! Ich habe kaum geschlafen, da es mir viel zu warm war. Also Fenster auf – bedeutet Schnaken rein! Das war ein stundenlanger Kampf. Mann gegen Kleingetier. Völlig gerädert stehe ich um 05:59 Uhr wieder auf. Im Zimmer hatte ich schon 33 Grad (oder immer noch), draußen ist es da ja noch „kälter“. Mir ist es heute morgen nicht ganz so wohl. Habe ich gestern einen schlechten Tintenfisch gegessen? So komme ich einfach nicht richtig in die Gänge aber bis Mohács schaffe ich es doch noch einigermaßen „rund“. Bis dahin waren es 35 Kilometer. Über Dämme schreibe ich jetzt einmal nichts mehr! In Mohács habe ich noch meine Dinar in kroatische Kuna umgetauscht. Da es nicht mehr viel war, wollte ich gleich noch mehr aus dem Automaten, aber die gibt es erst in Kroatien. Hier bekämpfen sie die Hitze (heute wie gestern circa 38 Grad Celsius) mit Ventilatoren im Freien zum Beispiel Cafés, die gleichzeitig noch einen feinen Wassernebel den Kunden zusprühen. Fürs Fußvolk sind außerdem noch Sprühduschen aufgestellt. Die spritzen dauernd und sind einfach spitze.

DSC_0436
„Volksdusche“ in Mohács

Hier habe ich auch mein erstes Eis gegessen. Es ist nach 12 Uhr. Für mich bedeutet das, ab jetzt ist eine Weile das Marschieren angesagt, es ist zu heiß geworden. Um 14 Uhr bin ich im fünften Land angekommen. Kroatien (Hrvatzka). In Udvar habe ich die Grenze passiert. Man sieht dort noch die alten Grenztürme. Die freundliche Grenzerin habe ich noch nach einem Hotel oder sonstigen Unterkunft gefragt. Im Internet hat sie für mich Ausschau gehalten und 17 Kilometer entfernt etwas gefunden und die Telefonnummer gegeben. Eigentlich wollte ich heute nicht so weit gehen. Dann eben morgen weniger. Bis zur Grenze habe ich einmal wieder RedBull-Dosen gezählt: 17!

Grüß Gott Kroatien
Grüß Gott Kroatien
Ausblick aus meinem Fischerhäuschen
Ausblick aus meinem Fischerhäuschen

Was ändert sich in Kroatien? Kuna Stadt Dinar. Sofort laufe ich auf großen Straßen, aber mit wenig Verkehr. Keine Wasserstellen mehr – Schock! Aber vor allem sieht man hier ein verlassenes Dorf nach dem anderen, menschenleer, heruntergekommene Häuser, fast kein Verkehr und schon gar nicht ein Geldautomat. Da hast du keine Chance eine Bleibe zu finden. Ich denke, das wird zukünftig die größte Herausforderung werden. Da möchte ich nicht wohnen. Zur Sicherheit rufe ich beim ausgesuchten Schlafplatz an. Der Gesprächsteilnehmer kann deutsch und holt mich auch an der Ortschaftsgrenze ab. Zum Glück habe ich noch gefragt, ob es bei der Pension auch eine Gaststätte gibt. Nein, nur ein kleiner Laden und der macht bald zu, sagt der Besitzer. So habe ich dort noch etwas Wurst, Fisch, Brot von gestern und drei Radler bekommen. Dann gibts heute abend eben ein Vesper. Ja, so bin ich im Apartment „TAKAC“ gelandet, ein Fischerhäuschen, direkt an der Donau. Wunderschön! Ich soll mich doch wie Zuhause fühlen. Der Besitzer macht mir noch einen Kaffee und will mich morgen wieder abholen. Geld will er noch keines. Glücklicherweise hab ich noch ein paar Euro im Sack. Die Währung wird hier auch gerne genommen. Ich bin hier auf einer kleinen Insel – genial – die Fische springen dir hier fast auf den Teller. Aber gegen Mücken muss man sich schon einreiben. Gegenüber ist Serbien. Auf meine Anfrage hin gibt der Besitzer mir zu verstehen, dass der Krieg 1991 bis 1995 hier alle vergrault hat. Viele sind weggezogen, meist in Richtung Adria oder in Großstädte. Hier gibt es sehr wenig, aber geschossen haben sie von der anderen Seite hier nicht, sagt er. Und ich schaue noch auf meine Roadmap. Da habe ich geschrieben: Straßen nicht verlassen! Minengefahr!

Tourdaten 67 Kilometer in 10 Stunden 15 Minuten, Aufstieg 315 m, Abstieg 335m, 4228 Kcal Gesamt: 1462 Kilometer in 200 Stunden 15 Minuten, Aufstieg 3972m, Abstieg 4214m, 117.201 Kcal

Danke an den Tagessponsor, und jetzt wirds lang:

C h r i s t o p h  W E S O L O W S K Y I

Der kommt nicht aus Kroatien, nein, das ist ein Kollege aus der BRD. Bis morgen Martin

PS? Warum so spät? Ich bekomme einfach die Bilder nicht geladen. Die folgen morgen oder später. Und jetzt hab ich auch noch die Fischsoße über das Tagebuch geleert…

Tag 22: Solt – Baja (75 km)

Helló! Bin heute mal wieder etwas früher dran. Ich möchte nochmals die schöne Unterkunft Eurovelo 6 Stop in Petöfitelep bei Solt erwähnen, die kann ich nur empfehlen. Vielleicht kommt der ein oder andere auch mal dahin. Muß ja nicht zu Fuß sein. Die netten Leute haben mir noch ein Vesper und eine Dose Bier mitgegeben. Die konnte ich am Sonntagmorgen aber noch nicht trinken, geschweige denn mit mir herum schleppen. Da hat sich dann eben jemand gefreut. UND WIEDER GRÜßT DAS MURMELTIER! Vieles am Tag bleibt gleich und wird zur Routine: Morgens klingelt das Handy um 05:59 Uhr. Da bin ich schon einmal überrascht, wie gut sich der Körper über Nacht doch erholt hat. Nach 42 Liegestützen (hat sich so eingebürgert) bin ich schon fast wach. Bad, Getränke herrichten (nehme jeden Tag eine Frubiase-Tablette für die Versorgung mit Mineralien), Karte studieren, Mittelchen auftragen (zur Zeit nur Sonnencreme – Hirschtalg zur Vermeidung von Blasenbildung und gegen Reibungsverletzungen benötige ich nicht mehr), Rucksack packen, Frühstücken und dann so früh wie möglich raus. Kilometer machen, Unterkunft suchen, waschen, duschen, Tagebuch schreiben, Donaurun vervollständigen, Abendessen, nächsten Tag kurz planen und schlafen. Und das eben wieder und wieder und wieder und wieder… Aber jeder Tag bietet ja Gott sei Dank immer etwas anderes. Heute war es mit ca. 38 bis 39 Grad so wie gestern. Und wieder rauf auf den Damm, kein Schatten, das zehrt.

Ja, es ist heiß
Ja, es ist heiß

Meine Motivation für heute: Durchkommen bis Baja, da gibt es Hotels. Ich möchte nicht wieder stundenlang umherirren. Das ist zwar weit, aber dann habe ich die nächsten zwei Tage weniger Kilometer zu bewältigen. Am Dienstag wartet in Kroatien mein zweites Paket mit neuen Tretern. Das Zimmer ist dort schon gebucht. So laufe ich Kilometer für Kilometer, Bing für Bing. Die Donau habe ich fast nie gesehen. Und das geht heute gerade so auf. Auf der vorletzten Rille komme ich in Baja an. Glücklicherweise war 8km vor dem Ziel noch eine Kneipe – meine Getränke waren verdampft. Hier habe ich gleich zwei Radler bestellt – und dann nochmal zwei. Wie ein vollbeladener Tanker bin ich weiter geschwappt – schwerlich sage ich euch. Am Waldrand zu laufen ist zwar kühler, der Weg ist aber sehr bescheiden (wenn es denn einen gibt) und das Fluggetier greift ständig an. Obwohl ich in der Sonne, oben auf dem Damm, ständig von irgendwelchen großen Mücken oder Junikäfern – ich weiß nicht was das ist – attackiert werde. Die können dich mit ihrem lauten Brummen ganz schön erschrecken! Und meine Trinkflasche, die mich seit 1.400 Km nervt, weil sie eben oben nicht ganz dicht ist und immer saftet, habe ich jetzt endlich genüsslich entsorgt. Mir war gerade danach.

Weg mit dem Teil
Weg mit dem Teil

In Baja hab ich gleich ein Hotel gefunden, waschen, duschen, schreiben…

Schön ist es in Baja
Schön ist es in Baja
...sieht gut aus für heute
…sieht gut aus für heute
...na also
…na also

Tourdaten:

75 Km in 9h 30min, Aufstieg 25m, Abstieg 10m, 5.012 Kcal

Gesamt (ich habe jetzt die ersten 42 Km von Furtwangen nach Donaueschingen abgezogen -war ja Tag 0): 1.395 Km in 190 h, Aufstieg 3.657 m, Abstieg 3.879m, 112.973 Kcal

Vielen Dank ihr Leute von der SGA-Abteilung Wintersport für das Sponsoring Tag 22. Danke Wenzi und Kollegen. Ihr hattet ja auch schon den Tag 2. Búcsú Martin

Tag 21: Szigethalom – Solt (83 km)

Guten Abend, Das sind von Szigethalom nach Solt im Normalfall natürlich keine 83 Km und normal ist es auch, dass ich früher schreibe… Bereits vor 7 Uhr kam ich weg. Das hat die Vermieterin gar nicht bemerkt, denn sie lag noch tief im Schlaf auf einem kleinen Bett neben dem Pensionstresen. Es gab ja hier kein Frühstück und zu teuer war es auch. So habe ich unterwegs eine Kleinigkeit geholt und während dem Marschieren gefrühstückt. Keine Zeit zum langen Verweilen, es wird wieder heiß. Heute hatte ich über 38 Grad auf der Uhr stehen.

Ohne Worte
Ohne Worte

Gott sei Dank hab ich morgens viel geschafft. Ich wollte heute einmal wieder früh ankommen, darum bin ich mit sehr wenig Pausen, aber mehr Flüssigkeit, einfach durchgegangen. Bei der Mittagshitze bin ich viel marschiert, bin ja kein Afrikaner, der die Temperaturen so leicht wegsteckt. Und dann hole ich mir wieder ca. 2 Liter Flüssigkeit. Das kann alles sein. Was mich gerade anmacht. Eistee, Wasser, Fanta, Cola… Den ersten Liter trinke ich sofort wie ein Kamel, den Rest packe ich ein. So komme ich bei diesen Temperaturen mindestens 20 Km weit, manchmal auch mehr. Die Strecke kann man heute in Abschnitte einteilen: Zunächst freies Gelände mit viel Landwirtschaft, dann ab Rackeve am Donau Seitenarm „Rackeve -Donau“ mindestens 15 Km vorbei an den schönen Wochenendhäusern, direkt am Wasser, mit Pool, gepflegtem Rasen, eigenem Anlegeplatz und Motorboot. Es ist Wochenende und ganz Ungarn badet, grillt, liegt im Liegestuhl… Ich gehe daneben auf einer staubigen Straße und denke dauernd an Urlaub, Baden, Trinken, Boot fahren…

Riesige Felder - keine Bäume
Riesige Felder – keine Bäume
Wie gerne..
Wie gerne..

Schluss jetzt, auf und durch, sonst bin ich an Weihnachten noch nicht am Ziel! Danach wird es richtig staubig. Auf der Karte sind 3 Routen eingezeichnet. Die Rote (ruhig, abseits), die Grüne (mehr für die Radler, da asphaltiert oder bei Regen) oder Route lila für sehenswerte Orte. Ich bin meist auf der roten Linie unterwegs. Mit dem Rad hast du hier aber teilweise keine Chance, denn man muß sich teilweise durch ungemähte Wiesen durchkämpfen (ist aber selten). Na dann kann ich in der großen Stadt Solt noch gleich ein Zimmer suchen. Welches soll ich denn nehmen? Ich sehe aber in der Stadtmitte nicht so viele – eigentlich keins. Also schnell mal fragen. Viele Leute, vor allem jüngere, kennen kein Englisch oder Deutsch. Aber der Ober schickt mich gezielt zur ersten Ausfallstraße, 1 Km zurück. Geht ja noch. Da ist aber nichts, war auch nie was. Der Ober lacht jetzt noch. An der Tanke sagt man mir, das Parkhotel ist doch schön, zweite Ausfallstraße Richtung Norden, sogar mit Restaurant, 1 Km entfernt. Nach 2 Km! war ich dort und das Parkhotel gibt es – aber geschlossen.

Das Parkhotel hat geschlossen
Das Parkhotel hat geschlossen

Nebenan im Restaurant gibt mir auf meine Anfrage hin die ganze Hochzeitsgesell-schaft zu verstehen, dass nur das Motel bei der Agip-Tankstelle an der 52er Straße eine Unterkunft bietet – 4 Km away from here. Mit einem etwas dickeren Hals nehme ich auch noch das auf mich und mache noch einen schönen Abendspaziergang auf der sehr stark befahrenen 52er. Das war so, als wenn man noch ein wenig auf der B30 spazieren läuft. Nach 5! Km erreiche ich doch noch das Ziel – und? Sag mal geht’s hier eigentlich noch? Auch geschlossen! Langsam werde ich etwas unentspannter. Der Hals ist eh schon so breit wie die Schulter. Wenn ich schon hier bin, dann kann ich auch noch das „Bett“ anlaufen, das auf Googlemaps eingezeichnet ist. Hier soll das EUROVELO 6 STOP SOLT sein. Unterwegs überlege ich mir schon, was tun wenn da nichts ist? Schreibe ich jetzt aber nicht. Gleichzeitig decke ich mich mit Kirschen von den Bäumen ein. Man weiß ja nie. Und alle Hunde begrüßen mich und bellen mir zu. „Kommt doch raus,“ belle ich zurück. Bin gerade in der Stimmung! Und was für ein Glück: Im EUROVELO war jemand da und gab mir eine Wohnung mit allem darum und dran, sogar mit einer Sauna, mit Frühstück, für die Hälfte wie gestern. Die 1,5 Liter Wasser und die zwei großen Radler sind auch gleich getrunken. Das waren heute auch 12 harte Stunden auf der Piste. Ein Dank an meine Beine: prima durchgehalten!

Geschundene Beine, aber..
Geschundene Beine, aber..
...schönes Zimmer
…schönes Zimmer

Außerdem gab die Frau mir eine Speisekarte auf deutsch, wo ich etwas aus Solt bestellen konnte. Zum ersten Mal habe ich nicht alles gegessen, da einfach zu viel. So ein Glück muß man haben!

Tourdaten: 83 Km in 12 h, Aufstieg 70m, Abstieg 45m, 6.142 Kcal Gesamt: 1.362 Km in 184 h 09min, Aufstieg 3.712m, Abstieg 4.319m, 112.861 Kcal

Danke an Armin HOH für den Tag 21. Da hast du dir ja einen tollen Tag ausgesucht.

Gruß Martin

Tag 20: Vac – Budapest – Szigethalom (64 km)

Guten Tag!

Szigethalom, da wollte ich eigentlich gar nicht hin. Aber dazu später. In Vac musste ich wieder mit der Fähre übersetzen. Die Fähren fahren nicht mehr auf Zuruf oder Telefonanrufe, sondern haben jetzt ihre Fahrpläne.

Fähre Vac
Fähre Vac

Ich weiß nicht, habe ich eigentlich schon erwähnt, dass die Donau in Ungarn „Duna“ heißt? Gleich nach der Ankunft mit der Fähre begrüßt mich ein freundlicher Hund – wirklich ein netter. Der ist drei Kilometer vor, hinter und neben mir hergewackelt. Wir haben nicht miteinander gesprochen und ohne Gruß hat er sich in der nächsten Ortschaft verabschiedet.

Hundi
Hundi

Die Wege sind zum Teil direkt an der Donau, manchmal aber auch wieder auf der belebten Straße. Hier läuft es sich nicht so schön. Ich komme an vielen Schwimmbädern vorbei, das tut weh. Auch die Ausflugsschiffe, die an dir vorbei schippern, da wirst du schon manchmal neidisch. Ich glaube, da muss ich mir einmal ein paar Kilometer gönnen. Sehr gut sind hier die Wasserstellen. Und wie ich erfahren habe, sei das Trinkwasser. Hoffentlich lügt der mich nicht an, sonst muss ich an mein Arzttäschchen greifen (literweise getrunken). Und so kann man auch länger der Hitze trotzen, wenn man beinahe jeden Kilometer die Gelegenheit zum „Duschen“ hat.

Wasserstelle
Wasserstelle

Ich habe es ja schon einmal geschrieben, ab Vac (Donauknie) geht es mit der Donau für ca. 200 Km direkt in Richtung Süden. Da wird es bestimmt nicht kälter. Wobei mir die 34 Grad Celsius heute gar nicht so viel ausgemacht haben, den Wasserstellen und dem stetigen Wind sie Dank. Und noch am Morgen war ich in Budapest. Die Hauptstadt von Ungarn ist mit seinen 1,8 Millionen Einwohnern etwa so groß wie Wien. Von der Stadt habe ich nicht so viel gesehen, natürlich das schöne Parlamentsgebäude auf der Pest-Seite. Ich bin auf der Buda-Seite gelaufen, da kann man zwar bessere Fotos machen, auf der anderen Seite ist es aber belebter und schöner, so ist zumindest meine Meinung. Und hier habe ich völlig die Zeit vertrödelt, denn heute war Redbull -Airracing. Die fegen hier direkt vor deiner Nase übers Wasser, über und unter Brücken durch. Für mich war das interessanter als irgendwelche Barockbauten. Auf dem Bild könnt ihr so ein Flieger entdecken.

Flieger vor dem Parlamentsgebäude
Flieger vor dem Parlamentsgebäude

Und schon war es nach 14 Uhr, huch, muss noch über 20 Kilometer machen. Aus den 20 wurden 24, da das eingezeichnete Hotel auf der Karte nicht existent war. Das ist aber sehr schlecht, Leute von der Huber Kartographie, denen muss ich noch eine Email schreiben. Dort habe ich mindestens 10 Leute gefragt wo denn die nächste Möglichkeit zum Übernachten ist – mit meinem fließenden Englisch – bis endlich ein netter Herr eine Pension in der Nähe kannte. Das war ein wenig weg von der Strecke, aber mir egal. Der freundliche Herr hat mich dann auch hingefahren. Gott sei Dank, nach 10 Stunden war es jetzt bereits schon 18 Uhr.

Tourdaten: 64km in 10h, Aufstieg und Abstieg 115m, 4.390 Kcal Gesamt: 1.279km, 172h 09min, Aufstieg 3.642m, Abstieg 4.274m, 106.719 Kcal

Danke Tommi Reusch für den schönen Tag 20. Da hast du dein Geld gut angelegt.

Bis Morgen Martin

Tag 19: Moča – Esztergom – Vác (70 km)

Hallo aus Ungarn!

Gestern habe ich noch in der Slowakei übernachtet. Einziger Gast in einer riesigen Pension. Alleine war ich auch beim Abendessen sowie beim Frühstück. Die ganze Nacht bellen die Hunde. Da hat jedes Haus so ein Kläffer. Einer fängt an zu bellen und alle Hunde vom Dorf machen mit. „Schumi damm damm…“ Da gibt es irgend ein Lied. An das hab ich heute schon gedacht. Wieder nur Damm, Damm, Damm ohne Bäume. Dann gehe ich doch mal in den angrenzenden Wald hinunter, da hab ich nämlich ein Weg gesehen. Der war wunderschön an der Donau gelegen, mit Strand (nächstes Lied: „Einst ging ich am Rande der Donau entlang, o, o, o, olalala…“). Blöd nur, dass der einfach aufhört – wieder zurück – und 1km obendrauf.

Die Strände werden mehr
Die Strände werden mehr
Irgendwio am Damm
Irgendwo am Damm

Wieder auf den Damm! Genau 1! Radler hat mich heute dort überholt. Für Läufer geht es dort eigentlich, aber als Radfahrer ist es in der Slowakei eher ungemütlich, da ständige Bodenwellen vom aufgeworfenen Beton und Schranken das Radeln erschweren. Ach ja, ihr Slowaken, warum grüßt ihr eigentlich nie? Dann lass ich es eben auch sein. Der einzige Radler kommt mir wieder entgegen. Ist halt wieder auf dem Rückweg, denke ich noch. Falsch gedacht, weiter vorne war die Durchfahrt / Durchgang gesperrt, obwohl auf der Karte und auf dem Handy dies als Weg durchgezeichnet war. Der Dackel auf dem Rennrad hätte mich ja warnen können, aber nein, hier sagt man ja nichts.

Meinen bestimmt nicht mich
Meinen bestimmt nicht mich

So, was tun? Zurück? Nein! Zu viel Umweg, also Schild ignorieren. Das kann ich ja sowieso nicht lesen, aber ein roter Kreis bedeutet nichts Gutes. So bin ich also weitermarschiert. Und jetzt kommt noch ein Tor. Ich stehe vor einem riesigen, umzäunten Industriegebiet, weitgehend verlassen. Über das Tor steige ich nicht. Jetzt folge ich einmal den Bahnlinien. Aber die enden dann bald auch irgendwo in der Pampa. Aber in der Nähe ist ein Tor geöffnet, das in das Industriegebiet hineinführt. Da ist mein Weg eingezeichnet, also nix wie rein. Das muss ich jetzt durchziehen. Aus dem verlassen Industriegelände wird ein betriebsames Werksgelände, wie gesagt, alles abgesperrt. So stelle ich mich stumm, die Augen auf den Boden gerichtet und dann einfach durch. An der Pforte habe ich diese Taktik durchgezogen. Der Pförtner fand das nicht so lustig, kam aus seinem Häuschen und redete mit mir, aber ich bin ja stumm! Ich Grüsse freundlich und lächle, als wäre es ganz normal, dass ich hier durchmaschiere. Und es hat geklappt. Zumindest hat niemand geschossen.

...nächster Weg
…nächster Weg
... Augen zu und durch
… Augen zu und durch

Zwei Kilometer danach (ich muss mich jetzt mal kürzer fassen) bin ich an der Grenze Slowakei / Magyarorszag (manche sagen auch Ungarn). Auf der Brücke nach Esztergom.

Grenze Slowakei Ungarn
Grenze Slowakei Ungarn
Basilika Esztergom
Basilika Esztergom

Und was ändert sich? – Die Leute grüßen wieder – Radweg mit Schatten an der Donau – Der Euro weicht dem Forint Jetzt bin ich im dritten Land angelangt, das wurde auch Zeit. In der Slowakei hat es mir nicht so gefallen. Später musste ich dann mit der Fähre wieder auf die Nordseite wechseln und die letzten 22 Km bei 37 Grad bis Vac habe ich wirklich gelitten. Der Pensionsinhaber wollte mit mir bei der Ankunft gleich einen Slivowitz trinken… Und die Frau wäscht meine Klamotten.

Tourdaten: 70 Km in 9h 20min, Aufstieg und Abstieg 65m, 5.328 Kcal

Gesamt: 1.215 Km in 162h 09min, Aufstieg 3.527m, Abstieg 4.159m, 102.329 Kcal

Danke an Mike Klug, dem Tagessponsor für heute! Morgen geht’s nach / durch Budapest Grüße aus Ungarn Martin

PS: Gastgeschenke darf man nicht abschlagen